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30.09.2019, 19:53 Uhr | Sany2018
Wie im Titel bereits zu lesen ist, stehe ich derzeit, beziehungsweise sogar schon länger, vor einer, für mich, sehr schweren Entscheidung, die an sich garnicht schwer ist, denn, wenn ich wollen würde, dann würde ich eine Wahl treffen, die für mich eigentlich schon festgelegt ist, aber ich kann mich einfach nicht überwinden, weil ich, wenn es nach mir ginge, beides konsequent ablehnen würde.

Vor einigen Monaten ist meine Psychiaterin erkrankt, währenddessen war ich einer Vertretung zugeteilt, die mit mir verschiedene Tests beziehungsweise eine Diagnostik durchgeführt hat. Sie hatte damals mit mir alle Ergebnisse besprochen, alle, außer eines, und das habe ich heute von meiner Psychiaterin erfahren, die mittlerweile, Gott sei dank, über einen längeren Zeitraum wieder genesen ist. Dieses Ergebnis hat mich ehrlicherweise ziemlich schockiert und sprachlos gemacht, um was für einen Test es sich handelt und das Ergebnis an sich mag ich derzeit nicht preisgeben, aber ich denke, dass, wenn man meine Beiträge verfolgt hat beziehungsweise verfolgt, man es sich vielleicht denken kann.

Ich denke nicht, dass dieser Test der ausschlaggebende Punkt ist, aber ich vermute, dass das Ergebnis den Stein ins Rollen gebracht hat. Bevor meine Psychiaterin erkrankte, steckte ich im Abitur, sie hat mich sehr geschont währenddessen, das heißt, sie hat keine schwierigen Themen angesprochen und generell nicht wirklich tiefgründig mit mir gearbeitet, weil sie mich nicht zusätzlich stressen wollte. Natürlich hat sie während dieser Zeit, mit sanften Fragen und Methoden, das rausbekommen, was sie rausbekommen wollte beziehungsweise, was nötig war, um mich zu stabilisieren, ganz untätig waren wir also dann doch nicht. Als sie zurückkam, das heißt vor ungefähr 2,5 Monaten, war diese Schonzeit, mit jedem Termin spürbarer, zu Ende für und sie hat begonnen alles das zu bearbeiten, was zu bearbeiten ist, sie war dennoch weiterhin sanft und vorsichtig, aber um einiges hartnäckiger und fordernder, als zuvor. Ganz habe ich mich damit noch nicht abgefunden, aber es geht und ich weiß, dass es seinen Sinn hat und sie mir helfen möchte, was anders leider nicht geht.

Vor einiger Zeit hatte ich einen Termin bei ihr, in dem ich vor jene Wahl von ihr gestellt worden bin. Ich habe gemerkt, dass es ihr selbst schwer auch gefallen ist das jetzt so durchzuziehen, denn sie hat gezögert und hat nicht sofort ausgesprochen, was sie aussprechen wollte und dennoch war sie recht ernst und bestimmt. Sie hat mir gesagt, dass sie merkt, dass wir stagnieren, dass es mir nicht spürbar besser geht und dass sie daraus schließen muss, dass die Gespräche dort alleine, nicht ausreichend sind und ich infolgedessen mehr brauche.

Die erste Möglichkeit ist eine ambulante Variante, d.h. ich würde ein Antidepressivum bekommen und auch erstmal weiterhin zu ihr gehen, demnach Gespräche und Medikamente kombiniert in Anspruch nehmen.

Die zweite Möglichkeit ist eine Klinik beziehungsweise Reha, die ich weit weg von zuhause antreten würde. Ich muss nicht dorthin, es ist keine Psychiatrie, aber ich würde dort über einen langen Zeitraum professionelle Hilfe und Abstand von allem hier gewinnen.

Wie ich sie verstanden habe, wird es für mich bei ihr nicht weitergehen, wenn ich mich gegen beide der Möglichkeiten entschiede. Wie zu Beginn geschrieben, würde ich das aber gerne tun, weil ich große Angst habe. Wie ihr vielleicht wisst bin ich inmitten meines FSJs, meine Familie weiß nichts von meinen Besuchen in der Beratungsstelle, sodass ich mich, wenn ich mich entscheiden muss, für das Medikament entscheiden würde. Ich denke, dass das eine das andere nicht ausschließt und ich das jeweils andere dennoch anschließen kann, insofern die erste Wahl keinen Erfolg bringt, aber ich stehe einfach nicht zu 100% dahinter und das macht mir sehr zu schaffen.

Ich will die Hilfe dort nicht verlieren, aber, wenn ich mich selbst zu etwas zwinge, was ich eigentlich nicht möchte, ist das auch irgendwie nicht das Richtige. Ich weiß nicht... ich habe Angst und wieder so viele Fragen in meinem Kopf.
19.11.2019, 21:53 Uhr | bke-Lorenz
Hallo Sany,

schön nach der Pause wieder von dir zu lesen! Eine Krebserkrankung bei einem nahestenden Menschen kann vieles auf den Kopf stellen. Sowieso schon Schlimmes durchaus auch noch schlimmer machen. Man ist ihr -dein Vergleich ist sehr zutreffend- ausgeliefert; ähnlich wie phasenweise einer Depression.
Es ist schon paradox, echt wahr, jetzt bist du an den Punkt gekommen, an dem du dir sagt, "ich lasse mich auf eine Medikamentierung ein" und genau da wird das von deiner behandelnden Psychiaterin in Frage gestellt. Gerade bei Depressionen ist es Menschen nur bedingt möglich, willentlich aktiv zu werden. Die Psychiaterin weiß das und kennt sich aus, das brauchen wir nicht in Frage zu stellen, denke ich. Also lass uns überlegen, warum sie sich so äußert...

Wir alle wissen, dass ein Medikamnt nicht alles lösen und heilen kann, es kann jedoch eine Art Sprungbrett sein, um ein Minimum an Schwung zu bekommen füreinen Sprung in die richtige Richtung. Dazu muss man trotzallem in die Knie gehen und sich abdrücken, dann hilft das Medikament idealerweise beim Sprung. Ist das nachvollziehbar?

Kann es sein, dass sie einfach von dir sehen oder hören möchte, dass du dann mit dem Medikament versuchen wirst, eben in die Knie zu gehen und dich abzudrücken? Was meinst du?

Kann es vielleicht auch sein, dass sie von dir hören will, "ja, ich bin motiviert, mit Hilfe des Medikaments neue Schritte oder Sprünge zu wagen? Dass sie zumindest eine Tendenz für diesen Wunsch von dir erkennen möchte?

Dass du bei Null stehst, sehe ich überhaupt nicht. Ich sehe dich eher an der Leiter hinauf zum Sprungbrett stehen. Sie eine Sprosse hochzusteigen würde bedeuten...?

Ich wünsche dir eine gute Nacht und hoffe, dir gelingt es, eine Sprosse hochzukommen und für den "Versuch Medikamnt" zu kämpfen.

Viele Grüße
*bye* bke-Lorenz
19.11.2019, 20:38 Uhr | Sany2018
Fast einen Monat herrschte Funkstille in diesem, in meinem Beitrag, natürlich nicht willkürlich.

Es ist einiges passiert, darunter leider auch ein Schicksalsschlag, den ich in einem anderen Beitrag etwas angeschnitten hatte, eine Krebserkrankung ist in meine Familie geplatzt, einfach so, ganz plötzlich, das war und ist sehr hart. Ich leide, es geht mir nicht gut, ich fühle mich so hilflos, so ausgeliefert, so, wie auch der Depression gegenüber.

Es gab Tage, da war die Depression so stark, dass ich nur schwer aufstehen konnte, dass ich in den Spiegel geschaut und mich gefragt habe, wie ich diesen Tag überstehen soll, dass ich, kurz vor dem Aufbruch zur Arbeit, auf meinem Bett saß und mit den Tränen gekämpft habe. Ich habe jeden dieser Tage irgendwie überstanden, ja, aber ich will und ich kann so nicht leben. Dieses Gefühl, dass die Depression so stark sein kann, dass ich ihr gegenüber machtlos bin, ist schrecklich, es lähmt mich, ich halte diese Schwere kaum aus und habe Angst vor jedem neuen Tag, der wieder so sein könnte, wie die, die ich bereits erleben musste.

Alle die das lesen, und in den Zusammenhang mit dem Thema des Beitrags setzten, denken sich höchstwahrscheinlich, dass die Antwort auf der Hand liegt, natürlich ist die Einnahme von Medikamenten hier angebracht. Doch dann kommt meine Psychiaterin, die zuvor kontinuierlich dafür war und beginnt alles das in frage zu stellen macht mir, beginnt an dem Ausgang dessen zu zweifeln und die Wirksamkeit zu hinterfragen. Sie sagt, dass das Medikament nur einen Bruchteil zur Genesung beiträgt und der Rest von mir kommen und gewollt sein muss, d.h. ich muss aktiv werden und mein Leben ändern, wenn ich das nicht tue, dann brauche ich auch das Medikament nicht nehmen. Das saß. Wie soll ich mich nun entscheiden, ich wollte mich durchringen, es versuchen und das Medikament nehmen, aber habe ich die Kraft im Moment nicht aktiv zu werden und mein Leben zu ändern, das würde bedeuten, dass meine Psychiaterin das Medikament nicht unterstützen würde...

Ich stehe nun wieder bei Null, die Zeit rennt, ich weiß nicht, was ich tun soll und ihr könnt es auch nicht entscheiden, aber ich musste das loswerden
23.10.2019, 21:16 Uhr | Sany2018
Gestern vor einem Jahr hatte ich das Erstgespräch in der Beratungsstelle.
Ein Datum, ein Tag, den ich niemals vergessen werde.
Warum? Auf die Frage habe ich tatsächlich keine treffende Antwort gefunden, denn alle sagen immer, dass ein Gang zum Psychotherapeuten mit einem Gang zum Hausarzt gleichgesetzt werden sollte, ebenso wie die Einnahme eines Antibiotikums so legitim ist, wie die Einnahme eines Antidepressivums, aber warum brennt sich dieses Datum dann in meinem Kopf ein, warum, traue ich mich bis heute nicht davon zu berichten und fahre weiterhin heimlich zu den Terminen, warum ist es anscheinend doch nicht so normal, wie körperliche Behandlungen?
Ich denke, dass sich darauf wohl kaum eine universelle Antwort finden lässt und darum soll es mir auch nicht gehen.
Ich bin erstaunt, erschrocken, traurig und froh, wenn ich darüber nachdenke, was dieser Tag damals in mir bewegt hat.
Erstaunt, dass ich weiterhin dort von derselben Fachkraft betreut werde, denn das hatte ich damals niemals zu träumen gewagt und tue es auch heute noch nicht.
Erschrocken, dass ich mich kaum besser fühle, als vor einem Jahr.
Traurig, dass ich mich zeitnah auf das Antidepressivum einlassen werden muss, weil es ohne mitunter nicht mehr gehen wird beziehungsweise kein worstcase provoziert werden soll.
Froh, dass ich die Hilfe habe und vor allem, dass ich sie immer noch habe und nicht alleine bin, denn ohne wäre ich wohl garnicht mehr.

Ich könnte noch ewig ausholen, aber ich bin zu müde geworden für all die langen Texte.....
17.10.2019, 17:49 Uhr | Sany2018
Ich habe das Medikament abgelehnt, zumindest vorerst.
Mein Angst ist einfach zu groß, ich weiß nicht, wie und ob ich sie beheben kann, aber ich hoffe sehr, dass sie sich mit einem weiteren Gespräch vor Ort legen wird und ich mir nicht weiterhin selbst im Weg stehe.
Diese Entscheidung fiel mir nicht leicht und ehrlicherweise empfinde ich sie nun als die falsche, aber ich denke, dass ich genau dasselbe Gefühl gehabt hätte, wenn ich mich konträr entschieden hätte.
Leider hat meine Psychiaterin weniger positiv reagiert, was mir leider schwer im Magen liegt und echt leid tut....
15.10.2019, 20:46 Uhr | bke-Fiona
Hallo sany,

du stehst vor einer schweren Entscheidung - und wirst erst wissen wie es ist wenn du dich entschieden hast.

Noch zwei Gedanken dazu: Wie wäre es, wenn du dir eine Liste machst mit den Vor- und Nachteilen der jeweiligen Lösung ?
Der zweite Gedanke: Wenn du einen der beiden Wege einschlägst muss das ja nicht heißen, dass du ihn immer weiter gehen musst .

Hier kommt ein wenig "Ausruhzeit" für dich mit : )

liebe Grüße, bke-fiona
15.10.2019, 19:48 Uhr | Sany2018
Der Tag, an dem ich mich entschieden haben muss, rückt immer näher.
Ich habe keine Entscheidung, noch nicht.
Dieses Datum setzt mich unter Druck.

Ich fühle mich so, als wäre sowohl eine Zustimmung als auch eine Ablehnung gleichermaßen falsch.
Komplettes Chaos in mir, Verdrängung.

Ich bin ratlos.
Wenn ich mich dafür entscheiden, dann nicht mit gänzlicher Sicherheit, das auch wirklich zu wollen und ganz, ganz großer Angst vor den Konsequenzen, sprich Auswirkungen auf mich beispielsweise in Form von Nebenwirkungen.
Wenn ich mich dagegen entscheiden, dann entscheide ich mich im Grunde auch gegen die weitere Hilfe, die ich derzeit in der Beratungsstelle bekomme und wäre infolgedessen alleine mit allem.
Beides nichts halbes und nichts ganzes, nichts, was mir weiter hilft, nichts, was schwerer wiegt.

Verschieben ist wohl nicht möglich, weil die Gabe des Medikaments eine komplexere Organisation bedarf sowie eine Kooperation, die nicht immer möglich ist, aufgrund der Kapazität desjenigen, der zu mir und meiner Psychiaterin dazu stoßen würde.

Niemand kann für mich entscheiden, ich muss das alleine, ich weiß, aber ich kann mir nicht helfen. Erst war ich mir so sicher, dann kamen die Zweifel, die Angst und letztendlich irgendwo auch die Abneigung, die der Angst verschuldet ist, die ich entwickelt habe.

*crying*
11.10.2019, 22:42 Uhr | Sany2018
Nun liege ich im Bett, keine 48std. mehr bis zu meinem 20. Geburtstag.

Ein komisches Gefühl, keinerlei Aufregung, fast schon Gleichgültigkeit und der innige Wunsch, an dem Tag, nicht zu sehr im Mittelpunkt stehen zu müssen.

Viele Fragen in mir.
Wie wird das neue Lebensjahr werden?
Werde ich die Herausforderungen annehmen und bewältigen können?
Studium?
Ausbildung?
So viel, zu viel!

Lieber dumpf im Gefühl bleiben wollen, als alles das spüren zu müssen, was tief in mir ist.
06.10.2019, 17:45 Uhr | bke-Stephan
Hallo Sany,

das ist echt eine knifflige Angelegenheit. Und Du hast es richtig erkannt: Es kann Dir niemand sagen, was jetzt die richtige Entscheidung ist. Und auch deshalb, weil Menschen unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben. Tatsächlich ist es auch im Netz eher verbreitet, über negative Erlebnisse zu schreiben, als über positive. Auch hier melden sich ja eher Menschen, die eine Belastung verspüren. Keiner sucht eine Beratungsseite, weil es gerade so toll läuft. Dennoch machen dann viele auch gute Erfahrungen und berichten zum Glück für uns alle auch immer wieder hier davon.

Du scheinst Deiner Psychiaterin zu vertrauen. Das ist schon mal gut. Und - ganz allgemein - gesagt, ist der derzeitige Stand der meisten Menschen, die sich beruflich mit Depression beschäftigen der: Eine Kombination von Medikament und Psychotherapie hat die größte Chance, die Depression in einer aushaltbaren Zeitspanne in den Griff zu bekommen. Allerdings habe ich das jetzt nicht erforscht und meine Meinung beruht auf der Erfahrung, die ich in den letzten Jahren beruflich damit gemacht habe.

Ich drücke Dir die Daumen, dass Du die für Dich am besten passende Entscheidung triffst (und falls nicht: Es lässt sich ja eine Entscheidung auch wieder rückgängig machen),

viele Grüße,

bke-Stephan
06.10.2019, 14:39 Uhr | Sany2018
Ich weiß, dass ihr keine Ärzte seid und dass, selbst, wenn es so wäre, keine Ferndiagnosen o.ä. angebracht wären, zudem ist mir durchaus auch bewusst, dass ein Medikament von Mensch zu Mensch unterschiedlich wirkt und es somit keine universelle Antwort auf viele meiner Fragen gibt.

Dennoch ist das Thema Neuland für mich, es kam ganz plötzlich in mein Leben und soll, im besten Fall, sehr bald schon für einige Monate Bestandteil davon werden. Ich fühle mich ins kalte Wasser geschubst, gedrängt und verloren in diesem Themengebiet und deshalb berichte ich hier von meinen Gefühlen und Ängsten diesbezüglich. Ich verstehe, wenn das Thema kein günstiges ist und nicht gern in einem öffentlichen Raum, wenn auch anonym, von privaten Erfahrungen diesbezüglich berichtet werden möchte und akzeptiere das natürlich, zudem weiß ich auch, dass es letztendlich ich bin, die, die Entscheidung zu treffen hat und niemand anderes, aber ich wünsche mir, dass ich hier vielleicht eher meinen Weg und Antworten finde, als im Internet, wo eigentlich ausschließlich nur negative Erfahrungen zu finden sind, die mir, in meiner jetzigen Situation alles andere als behilflich sind, denn, wenn ich nach den Informationen dort gehen würde, dann würde ich mein Leben mit dem Medikament quasi auf Rezept beenden.

Zugegeben, es klingt so, als hätte meine Psychiaterin mich mit allem alleine gelassen, das hat sie nicht und das möchte ich auch nochmal explizit so sagen, theoretisch steht sie mir jederzeit für Fragen, Termine außer Plan etc. zur Verfügung, aber an dem Tag, an dem sie mich mit dem Thema überfallen hat, war das so viel für mich, dass ich erstmal keine Fragen hatte und somit auch keine stellen konnte. In der Zwischenzeit hatte ich per Mail Kontakt zu ihr und habe mich wenigstens bezüglich der Endlichkeit meiner Entscheidung informiert und tatsächlich ist es so, dass ich mich bis spätestens in zwei Wochen für oder gegen das Medikament entschieden haben muss, weil die Gabe dessen organisiert werden und dazu eine Kooperation mit einer anderen Beratungsstelle hergestellt werden muss, da die Beratungsstelle, in der meine Psychiaterin sitzt, keine Kassenzulassung hat und somit keine Medikamente verschreiben darf und da müssten dann logischerweise auch Gespräche etc. stattfinden. Es ist alles sehr komplex und mir macht die voranschreitende Zeit Angst, weil ich eben bisher nur negatives über Antidepressiva gehört habe und mich diese Berichterstattungen nicht loslassen, anderseits, weiß ich, dass sich mir mit dem Medikament und der Kooperation vielleicht Türen öffnen und sich mein Helfernetz vergrößern könnte. Es ist schwierig und ich weiß garnicht, ob ich fähig bin diese Entscheidung zu treffen, weil ich mit beiden Seiten nicht komplett zufrieden wäre.

Derzeit gibt es für mich keine Alternativen. Psychotherapie oder ein Platz bei einer niedergelassen Psychiaterin ist derzeit nahezu unmöglich, deshalb versucht meine Psychiaterin es ja auf dem Weg der Kooperation, die Reha möchte ich derzeit nicht, weil ich nicht preisgeben möchte, dass es mir so schlecht geht und auch organisatorisch wäre das sehr, sehr schwierig derzeit und dann wäre da noch die Möglichkeit, dass ich ohne Medikamente und Reha weiterhin zu ihr gehe und ihr allmählich und vor allem zunehmend die Hände gebunden sind, was die Hilfe angeht, die sie mir bieten kann, denn, und das ist leider eine Tatsache, so, wie es jetzt ist, geht es nicht weiter, ich kann bei ihr derzeit einfach nicht effektiv mitarbeiten und so funktioniert das Konzept leider nicht, dann kann auch jemand anderes meinen Platz bekommen, der zur Mitarbeit fähig ist und so Besserung erfährt und dem würde ich dann auch nicht im Wege stehen wollen auch, wenn das bedeutet, dass ich mit meiner Depression gänzlich alleine bleibe....
04.10.2019, 22:08 Uhr | Liasanya
Hallo Sany,

du hast sehr, sehr viele Fragen und ich kann verstehen, dass sie dich wirklich sehr verunsichern. Ganz ehrlich, mir würde es genauso gehen!!!
Leider wird man dir nicht alle Fragen beantworten können, da Medikamente bei jedem Menschen unterschiedlich wirken und niemand in die Zukunft schauen kann. Aber du kannst schauen wie es sich entwickelt und wenn du merkst, dass dir unwohl ist, kannst du jederzeit einen Termin bei deinen Arzt machen. Du musst nicht 4 Wochen bis zum nächsten Termin warten, wenn du dich unsicher fühlst! Manche Fragen wird dir dein Arzt sicherlich auch direkt beantworten können bzw. dich ein wenig beruhigen können.

Und noch einmal: du kannst immer noch mit deiner Ärztin sprechen, ob es nicht doch noch eine andere Alternative für dich gibt.

lg Liasanya
04.10.2019, 19:32 Uhr | Sany2018
Der Name des Medikaments geht mir nicht mehr aus dem Kopf.
Schon sehr bald muss ich mich, unwiderruflich, entscheiden, ohne zu wissen, was ich damit auslösen werde.
Eine Verbesserung?
Eine Verschlechterung?
Werde ich unter Nebenwirkungen leiden?
Wie stark werde ich unter Nebenwirkungen leiden?
Wird das Medikament anschlagen?
Werde ich die Einnahme verheimlichen können?
Werde ich den, bisher tauben, Schmerz infolgedessen intensiv zu spüren bekommen?
Werde ich mich selbst unter der Medikation erkennen?
Es hängt einfach so viel an dieser Entscheidung.
Vielleicht zu viel?
Es ist ein Medikament, das auf mich, meine Psyche und meinen Körper einwirken wird.
Allein dieser Gedanke macht mich irgendwie panisch.
Ich fühle mich nicht im Stande diese Entscheidung zu treffen, ich habe Angst, dass es die falsche sein wird.
Ich weiß um die Chance, die dieses Medikament bietet, aber die Angst ist derzeit einfach um einiges größer, als die Hoffnung auf Besserung.
01.10.2019, 19:39 Uhr | Sany2018
Danke für eure Antworten.

Hallo Hana,

ja, das hast du richtig gelesen. In Vergangenheit, derzeit und auch in Zukunft kann ich diese Optionen und auch diese Krankheit nicht mit mir vereinen. Ich weiß, dass es keine Schande ist und ich schäme mich auch nicht dafür, aber ich habe es eben noch nicht mit mir in Verbindung bringen können. Wenn ich höre, dass jemand Depressionen hat, dann ist Akzeptanz und Toleranz für mich keine Frage, wenn ich mir aber sage und auch, wenn mir von meiner Fachärztin gesagt wird, dass ich Depressionen habe und das nicht zu schwach, dann ist das für mich, als würden wir über jemand Drittes sprechen und nicht über mich. Ich weiß nicht, ob man das nachvollziehen kann, aber dieses Gefühl ist da und deshalb ist es für mich auch so schwer, wenn jemand mir Möglichkeiten zur Bekämpfung vorschlägt obwohl ich die Depression für mich noch nicht annehmen konnte. Es ist ganz seltsam, denn ich habe so großes Verständnis, so viel Empathie und Akzeptanz für und mit anderen, nur mit mir selbst nicht.

Ja, leider habe ich das Gefühl schon länger, dass die Therapie stagniert und das macht mir ganz schlimme Schuldgefühle. Meine Psychiaterin sagt, dass es gut möglich ist, dass auch das die Depression verursacht und wir deshalb weder vor noch zurückkommen, aber irgendwie ist in mir der Gedanke verankert, dass wir nur stagnieren, weil ich mich immer und immer wieder nicht überwinden kann, weil ich ihr zum Teil keine Antworten liefern kann, die sie aber braucht, weil sie mir eben auch nur vor den Kopf gucken kann. Oft bin ich nach Terminen nach Hause gefahren und habe mir Vorwürfe gemacht, weil ich dachte, dass ich doch dort alles habe, nämlich eine mich schützende, geduldige, emphatische und sanfte Psychiaterin, bei der ich mich sehr wohl fühle und trotzdem vergehen zum Teil Stunden, in denen ich gefühlt nur zuhöre und kein Wort verliere, das macht mich, insbesondere im Nachhinein, sehr traurig und infolgedessen bin ich einfach nur enttäuscht von mir und meinem Verhalten, Depression hin oder her.

Wie soll ich sagen, einerseits kann ich ihre Sorge um mich verstehen, anderseits bin ich immer wieder sehr erstaunt darüber, dass sie aus diesen geringen Informationen, die ich ihr gebe, so viele Schlüsse ziehen kann und kontinuierlich Emotionen und Gedanken an mir ablesen kann, die ich nie verbalisiert habe. Ja, ich teile ihre Auffassung, dass ich mehr brauche, als nur die Gespräche, die im Moment, leider, sehr selten stattfinden, d.h. 1x im Monat. Ich weiß nicht, wie es wäre, wenn wir uns wöchentlich oder zumindest öfter sehen würden, aber so, wie es im Moment ist, reicht es leider tatsächlich nicht. Ihr sind die Abstände auch zu lange und ich könnte theoretisch auch zwischendrin kommen, aber da ich schon um das eine Mal beziehungsweise die zwei Male so kämpfen musste auf der Arbeit, werde ich noch öfter niemals durchbringen können und deshalb werde ich auch nicht darum betteln, um es hinterher noch vorgeworfen zu bekommen. Es ist nicht schön derzeit und ich weiß, dass das FSJ eine Zeit ist, in der ich mich an die erste Stelle der Prioritäten setzten sollte und theoretisch auch kann, das sagt auch meine Psychiaterin immer wieder, aber so leicht ist es leider nicht und meine Einsatzstelle ist dahingehend nicht sehr kooperativ, sonst würde vielleicht auch die Reha in Frage kommen.

Wenn sie sagt, dass sie eine Kombination aus Gesprächen und Medikamenten als beste Option ansieht, würde dass dann heißen, dass sie die Gabe der Medikamente begleiten würde auch, wenn das 6-12 weitere Monate bedeuten würde?
Was mache ich, wenn ich mit Nebenwirkungen zu kämpfen haben werde und wir uns aber nur 1x im Monat sehen?
Was mache ich, wenn die Angst zuhause doch zu groß wird und ich mich dann nicht überwinden kann, dieses Medikament zu mir zu nehmen?
Ist eine körperliche Untersuchung vorher und auch währenddessen notwendig (Blutbild, Blutdruck, EKG) notwendig und wenn ja, wer macht diese Untersuchungen?

Ich habe einfach so eine Angst davor....
Zuletzt editiert am: 01.10.2019, 21:30 Uhr, von: Sany2018
30.09.2019, 20:52 Uhr | bke-Hana
Liebe Sany,

Liasanya hat dir bereits eine sehr einfühlsame Antwort geschickt, die dir vielleicht schon weiter hilft.

Mein "Senf" dazu: Keine der angeregten Optionen deiner Psychiaterin scheint grade so recht in deinem Sinne zu sein, ich hoffe, ich habe das richtig aus deinem Postings gelesen. Aber eine von beiden liegt dir scheinbar grade näher und auch ich vermute, dass ist die medikamentöse.

Ich habe mich beim Lesen gefragt, ob du denn die Überlegungen deiner Psychiaterin nachvollziehen kannst. Hast du selbst auch den Eindruck, in der Therapie zu stagnieren? Kannst du ihre Aussage nachvollziehen, die Gespräche alleine würden grade nicht ausreichen? Irgendwie scheint sie sich ja Sorgen um dich zu machen, findest du das begründet?

Und wenn, was könntest du selbst tun, um den Grund dieser (vielleicht auch deiner) Besorgnis reduzieren? Ganz ehrlich, FSJ hin oder her, (auch im FSJ ist meines Wissens nach eine krankheitsbegründete Pause möglich) was denkst du, wäre jetzt tatsächlich für dich dran? Möglicherweise fällt dir neben Reha und Medikamenten ja auch eine dritte oder vierte Variante ein.

Ich schließe mich meiner Vorgängerin an, die dir geraten hat, mit der Psychiaterin über beide Optionen (und eine dritte und vierte vielleicht) ins Gespräch zu kommen. Wer weiß, was daraus entstehen wird, vielleicht kommt ja neben dem "entweder oder" ein "sowohl als auch", "keines von beiden" oder noch etwas ganz anderes heraus?

Herzliche Grüße dir,
bke-Hana
30.09.2019, 20:17 Uhr | Liasanya
Hallo Sany2018,

ich stand vor einiger Zeit vor einer ähnlichen Entscheidung und weiß wie schwer es ist, sich für eine Seite zu entscheiden. Denn beide Seiten sind nicht ideal, nicht das, was man sich wünschen würde. Aber beide Seiten sind eine Möglichkeit weiterzukommen, deinen Weg weiter zu gehen und ein hoffentlich gutes Leben irgendwann zu leben.

Wenn ich deinen Text so lese, habe ich das Gefühl, dass du deine Entscheidung schon getroffen hast. Ich glaube auch, dass es aktuell die einfachere für dich ist. In eine Klinik zu gehen ist sicherlich auch nichts schlechtes, aber es verändert doch mehr und das kann man nicht einfach geheim halten. Wenn du willst, dass deine Eltern erstmal nicht einbezogen werden und auch dein FSJ nicht darunter leidet, dann bleiben dir nur die Medikamente. Ich glaube sie würde dir auch nichts empfehlen, wenn sie denken würde, dass es dir nichts bringt.
Und wenn du irgenwann merkst, dass dir die Medikamente nicht helfen und du mehr brauchst, dann kannst du auch immer noch jederzeit in eine Klinik gehen. Aber ich glaube zuerst ist es der einfachere Weg, denn dann kannst du so weitermachen wie bisher.

Aber du hast natürlich auch recht, du solltest dich zu nichts zwingen. Ich denke es wäre gut, es noch einmal bei ihr anzusprechen und ihr zu sagen, dass es dir damit nicht gut geht. Aber manchmal müssen wir auch über unseren Schatten springen, damit wir weiterkommen können.
Ich glaube du wirst deinen Weg gehen!

lg Lia

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