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01.01.2021, 10:34 Uhr | Liasanya
✧✦ Das Jahr 2021 hat begonnen, der Januar ist da und somit auch mein letzter Monat hier im BKE. Ein Countdown von 31 Tagen, der sich nicht mehr verändern lässt. Der Countdown läuft mit jeder Sekunde und tickt unaufhaltsam. ✦✧

Das wir hier alle irgendwann gehen bzw. gehen müssen, ist sicherlich den meisten bewusst. Spätestens mit erreichen den 21 Lebensjahres. Wir haben es ja mittlerweile alle oft genug gehört. Leider habe ich erst im Sommer Geburtstag, aber im Profil steht halt unglücklicherweise Januar. Wieso kann ich heute nicht mehr sagen. Wahrscheinlich wollte ich mich schützen, wollte anonym sein. Dafür zahle ich jetzt den Preis. Aber es ist wie es ist.

Also, ihr müsst mir nicht gratulieren, denn das wäre gut 6 Monate zu früh. Dann ist es nur ein gezwungener früherer Abschied, denn ich am liebsten erst im Sommer gehabt hätte. Denn innerlich war ich genau darauf vorbereitet, zu gehen, wenn ich meinen Geburtstag hatte. Aber nun ist es, wie es ist, die Zeit lässt sich nicht mehr zurück drehen. Aber wenn ich eine Zeitmaschine hätte, würde ich wohl noch mal ins Jahr 2016 reisen und die Anmeldung hier anders machen. Aber leider gibt es die Möglichkeit nicht *wink*

✧✦ Kommen wir noch mal auf den Countdown zurück... ✦✧

Er zählt auf etwas hinaus, zählt die letzten Tage, Stunden, Minuten und Sekunden. Mit ihm endet etwas und gleichzeitig beginnt etwas neues. Nur aus etwas altem, kann auch etwas neues entstehen. Nur wenn wir die nächsten Schritte gehen, können wir auch weiter kommen. In dem Sinne endet ein Abschnitt und ein neuer wird beginnen.

Nun frage ich mich, wer bin ich wirklich und wohin möchte ich? Wo stehe ich jetzt und wo wohin möchte ich gehen? Was ist mein Ziel? Bin ich jetzt unten? Stehe ich links? Will ich hinauf? Will ich nach rechts? Wo werde ich den Sinn finden?
Was heißt schon oben und unten? Links und rechts? Vorne und hinten? Hier und dort? Was heißt gut und was schlecht? Ich frage mich, ob ich diese Einsicht jemals finden kann.
Zur Zeit fühle ich mich einsam, dennoch möchte ich alleine sein. Zur Zeit bilde ich mit dem Zweifel eine Einheit. Ist das nun eine Einladung für das Glück? Oder ein Freifahrtsschein für das Leid? Führt mich dieser Weg weiter oder lande ich am Ende in einer Einbahnstraße?

Im Grunde geht es im Leben immer ums lernen, ein Leben lang lernen. Fehler machen und daraus lernen. Immer und immer wieder. Ohne Fehler können wir nicht lernen.
Wäre es nicht am Ende gut, in allem das Gute zu sehen? Was bringt es zurück zu sehen? Ich hinterlasse zwar Spuren im Schnee, aber auch diese vergehen. Nichts bleibt für ewig. Ich habe mein inneres Kind auf eine Wanderung geschickt, also setzen wir zusammen einen Fuss vor den anderen. Und wir werden sehen, wohin uns die Reise bringen wird....

Nun geht meine Zeit im BKE zu Ende und es gibt eigentlich so viel, was ich noch sagen möchte und dennoch fehlen mir die Worte.

✧✦ Wenn ich in die Zukunft schaue, würde ich mir 2 Dinge für die gemeinsame Zeit von Usern und Moderatoren fürs Forum wünschen: ✦✧

★ Ich würde mir wünschen, dass wieder mehr frischer und aktiver Wind durchs Forum wehen würde. Ich habe ein Paar neue Moderatoren kommen sehen und sehe wie aktiv und wundervoll sie sich ins Forum einbringen. Wie liebevoll sie ihre Beiträge verfassen und wie viel Zeit sie in die Beiträge investieren. Und so würde ich mir wünschen, dass alle ihren Dienst so tätigen würden, egal ob alte Hasen oder die jungen Hüpfer.

☆ Ich würde mir auch wünschen, dass es wieder mehr Austausch untereinander geben würde. Wir sind doch hier im Forum, weil wir andere kennenlernen wollten, weil wir nicht alleine sein wollten. Aber das Forum entwickelt sich immer mehr zu einer zweiten Mailberatung für die meisten. Ich finde es so schade, dass das gemeinsame Helfen und einfach nur da sein, immer weniger wird. Es sollte ein gemeinsames geben und nehmen sein, so würde ich es euch allen zumindest wünschen. Sodass die Moderatoren nur noch ergänzen müssten und nicht mehr die Einzigen sind, die ihre Antworten verteilen.

Nun zum Schluss...

... was habe ich hier gelernt? Ich habe gelernt, dass es immer ein Licht am Ende des Tunnels gibt. Egal wie schwarz, egal wie hoffnungslos oder wie weit das Ziel entfernt ist, es gibt immer einen Weg. Manchmal ist der Weg das Ziel. Manchmal bringt uns der Weg zum Ziel. Manchmal besteht ein Ziel aus vielen kleinen Zielen. Aber eins ist sicher: wir kommen weiter, solange wir es zulassen und solange wir nicht stehen bleiben. Rückschritte machen wir alle mal, ohne sie könnten wir vieles nicht lernen. Das Wichtigste ist am Ende, dass wir wieder aufstehen und weitergehen. Immer und immer wieder!

... ich habe aber auch gelernt, dass es wirklich wundervolle und einzigarte Menschen gibt. Ich habe sie hier im BKE kennengelernt und ich werde sie für immer in meinem Herzen tragen. Jeder Mensch hinterlässt seinen Fingerabdruck, so wie es auch jeder hier im Forum getan hat. Aber es gibt eben manche, die mein Herz berührt haben und die bleiben für immer. Und dafür möchte ich Danke sagen! Danke das ihr, danke das du da warst!

Ich mach hier jetzt mal ein Punkt, fürs erste zumindest *wink*
Liasanya
Zuletzt editiert am: 01.01.2021, 10:37 Uhr, von: Liasanya
~Gemeinsam lassen sich scheinbar unbedeutende Momente des Lebens in wunderschöne Augenblicke verwandeln, die man nie vergisst!~
21.01.2021, 21:55 Uhr | bke-Zita
Hallo Liasanya,

Ein ganz großes & dickes DANKESCHÖN für deine bewegenden, berührenden, interessanten, fesselnden Erzählungen. Danke, dass du uns daran teilhaben lässt ! Du findest kraftvolle Sätze, griffige Formulierungen, treffende Überschriften.

Ja - es ist nicht möglich, sich nicht zu verändern ! Da doch jeder Tag ein Tag von neuen Erfahrungen ist. Und so bin ich nicht mehr genau die, die ich gestern um diese Zeit war. Welch eine wunderbare Erkenntnis - ermutigend gerade auch für Momente, in denen man das Gefühl hat, festzustecken, festgemauert zu sein. Danke dir !

Viele herzliche Grüße
bke-Zita
21.01.2021, 12:26 Uhr | Liasanya
11 Tage...

Die Veränderung aktiv betrachten und wertschätzen

Ich war schon immer jemand, der Veränderungen nur ganz, ganz schwer wahrnehmen kann und eigentlich findet, dass alles "normal" ist. Wenn man mich fragt: Was hat sich in den letzten Wochen verändert? Dann wüsste ich nicht was ich darauf antworten sollte. Gefühlt hat sich nichts verändert? Gefühlt ist alles wie bisher? Es ist gefühlt eben alles wie immer, weil es unsere Realität ist und die ist einfach für uns auch "normal".

Als ich zum zweiten Mal in die gleiche Klinik kam (etwa 1 Jahr Abstand zwischen der Intervalltherapie), hatte ich das Glück mit der Therapeutin weiterarbeiten zu können, die sich mit meinen Diagnosen auskannte und wusste, wie sie mir wirklich helfen kann. Schon beim ersten stationären Aufenthalt hatte ich wirklich sehr viel von ihr lernen können. Aber immerhin war eine ganze Zeit vergangen und so war eine ihrer ersten Fragen: Was hat sich verändert? Wie ist es jetzt? Wie war es damals? Und ich saß da und dachte mir: Es ist alles wie immer! Es ist alles normal! Aber sie akzeptierte meine Antwort nicht und sagte, dass das gar nicht sein könnte!
"Wie kann etwas wie immer sein, wenn bereits so viel Zeit vergangen ist? Wie kannst du der gleiche Mensch sein, der doch jeden Tag neue Erfahrungen gemacht hat? Oder hast du dich eingeschlossen und ein Jahr das Haus nicht mehr verlassen?"
Und ich saß da und wusste nicht, was ich ihr antworten sollte? Nein, natürlich war ich nicht eingeschlossen gewesen! Natürlich war ich jeden Tag in der Schule! Natürlich war ich regelmäßig bei meiner Beraterin! Natürlich gab es Veränderungen, aber ich war viel zu sehr auf das hier und jetzt fokussiert, dass ich die Vergangenheit nicht mehr im Blick hatte.
Natürlich kamen mir dann die normalen Dinge in den Sinn: Ich hatte eine neue Bezugsbetreuerin. Ich war eine Klasse weiter. Ich stand kurz vor dem Abschluss. Ich hatte einen neuen Vormund. Ich hatte .. und es waren alles so Dinge, die eher mein äußeres Umfeld beschreiben. Aber Dinge die mich wirklich betrafen, die meine persönliche Entwicklung aufzeigten, die sah ich gar nicht.

Und so erklärte sie mir, dass Veränderung eben mehr ist. Veränderung ist nicht nur das offensichtliche, nicht nur das was man von außen wahrnehmen kann. Veränderung ist auch das, was in uns passiert! Es ist vielleicht der Gedanken nach dem warum, die wir uns vorher nie gestellt hatten. Das zögern vor dem (selbstverständlichen) selbst verletzten. Neue innere Regeln, nach denen wir uns jetzt verhalten. Oder das hinterfragen von Dingen, die früher selbstverständlich waren. Dinge die kaum jemand wahrnehmen kann, da sie in uns passieren.
Diese Veränderungen passieren oft schleichend, langsam und irgendwann werden sie "normal". Wir sehen vielleicht was gestern und vorgestern war, aber die schleichende Veränderung, die nehmen wir oft nicht wahr. Sie wird zu unseren neuen "normal", dabei hatten wir vor ein oder zwei Wochen noch ein ganz anderes "normal".

Diese Therapeutin hat mir verboten das Wort "normal" in der Therapie zu nutzen. Was ist schon normal? Hat sie mich damals gefragt und mir erklärt, dass doch für jeden etwas anderes normal ist. Und nur weil es für die Mehrheit normal ist, muss es nicht für alle normal sein. Wenn es für uns persönlich normal ist, dann ist es für uns so, aber nicht für alle. Wie soll man also wissen was für wen normal ist?
Also musste ich jedes mal, wenn ich eine Frage mit "normal" beantwortet hatte, erstmal erklären was ich meine. Was hieß in diesem Moment normal? Und es ist echt gar nicht so leicht das zu erklären. Weil normal echt unendlich weit gefasst ist und für jede Situation eine andere Definition hat.

Veränderungen passieren jeden Tag, sie passieren in jeder Minute. Manchmal ist die Veränderung wahrnehmbar, manchmal ist sie schleichend wie eine Schnecke. Manchmal ist sie aber auch ein Marathonläufer, der uns davon läuft. Die Therapeutin meinte, dass es so unendlich wichtig sei, dass man seine eigenen Veränderungen wahrnehmen würde. Weil sonst hat man oft das Gefühl auf der Stelle zu stehen und man lernt nicht die Veränderungen wertzuschätzen. Weil wenn wir etwas nicht wahrnehmen, können wir auch gar nicht stolz auf etwas sein oder? Nur wenn wir die Veränderung sehen, können wir uns selbst auf die Schulter klopfen. Und nur wenn wir das tun, bekommen wir auch den Anreiz weiter zu kämpfen. Wenn wir keine Veränderungen sehen, geht uns irgendwann die Kraft aus. Irgendwann hat man einfach gar keinen bock mehr, wieso auch? Wenn man nichts sieht, wenn man das Gefühl hat es ist wie immer, wieso sollte man dann kämpfen? Also ist der Umkehrschluss, dass wir aktiv nach Veränderungen schauen müssen! Veränderungen können uns Kraft zum weiterkämpfen geben!

Also schauten wir aktiv, was sich verändert hat. Sie empfiehl mir auch ein Tagebuch zu führen, in dem ich gezielt festhielt, was ich an diesem Tag geschafft hatte. In dem ich gezielt die guten Dinge festhielt. Denn es ging ja um Veränderungen und so konnte man herausfinden, wo sich vielleicht etwas verändert hatte. Wenn ich also auf einmal, anstatt mich zu verletzten, lieber eine Runde spazieren ging, war schon die erste kleine Veränderung da. Natürlich funktioniert es nicht immer! Aber es war eine Veränderung und das sollte man wertschätzen!

Veränderungen kosten Kraft, aber sie können dir das doppelte oder dreifache an Kraft zurück geben, damit du bereit für die nächste Veränderung sein kannst. Manche Veränderungen kosten das fünffache an Kraft, sodass man erstmal das Gefühl hat, dass nichts mehr geht. Es sind oft die schweren Veränderungen, die die unser Leben wirklich verändern. Aber am Ende sind es die, die uns am Ende verändern und die uns ein neues Leben ermöglichen! Aber genau das wollen wir doch so oft: dass sich aktiv etwas verändert! Also blickt zurück und zieht Kraft aus das, was ihr bereits geschafft habt! Denn sie sind alle da, all die Veränderungen, auch wenn sie sich vielleicht noch verstecken!!!
~Gemeinsam lassen sich scheinbar unbedeutende Momente des Lebens in wunderschöne Augenblicke verwandeln, die man nie vergisst!~
20.01.2021, 12:12 Uhr | Liasanya
12 Tage...

Wenn Abschied das Herz zerbricht

In meinen Leben habe ich so unendlich viele Abschiede durchlebt, aber dennoch erinnere ich mich an jeden einzelnen davon. Manche Abschiede habe ich herbeigeführt, weil es an der Zeit war. Manche passierten, weil sich die Umstände (in meinen Leben oder im Leben der Person) veränderten. Leider waren sie oft die schmerzhaftesten, weil ich sie oft nicht wollte, aber sie dennoch passieren mussten.

So war es meine erste Beraterin, die schwanger wurde und in Elternzeit ging. Ich mochte sie so gerne und hatte mich natürlich auch für sie gefreut, es hatte mir aber auch das Herz gebrochen. So sehr, dass ich danach erst einmal keine Hilfe mehr annehmen konnte.

Genauso ging es mir auch mit meiner allerersten Bezugsbetreuerin, die ich nur ein Paar Monate hatte und dann wurde auch sie schwanger. Sie war die erste, die mir zeigte, dass sie mich so annimmt wie ich wirklich bin. Die immer da war, egal wie es mir ging und mir so die Sicherheit und Liebe gab, die ich zu diesem Zeitpunkt brauchte. Und der Abschied war so schwer, so unendlich schwer.

Als ich später in eine andere Wohngruppe kam, nachdem ich dort wieder eine Beziehung aufgebaut hatte, verabschiedete sich auch dort meine Betreuerin. Sie hatte einen anderen Job gefunden und es war ein schwerer Abschied auf Raten.

Oder die super tolle Therapeutin aus der Klinik, die mir ans Herz gewachsen war, nachdem sie mir endlich Hoffnung gab, dass es irgendwann anders werden kann. Die allem endlich einen Namen gab, den richtigen Namen und damit die richtige Hilfe einleitete. Bei ihr hatte ich das erste Mal das Gefühl, dass sie wirklich versteht und mich nicht nur schnell abfertigen möchte.

Es gab so viele, noch viel, viel mehr, die mich ein Stück auf meinen Weg begleitet haben. Der eine war mir näher, der andere weniger, aber der Abschied war immer schwer. Manchmal schwerer, manchmal leichter. Aber es tat weh, es tat jedes Mal auf ein neues weh.

Jedes Mal habe ich mein Herz verschlossen, jedes Mal ein wenig mehr. Aber irgendwie haben es immer wieder Menschen in mein Herz geschafft und irgendwie habe ich es immer wieder geschafft, mich von neuen anzuvertrauen. Es ist möglich, auch wenn es eine gewiss Zeit braucht.

Auch wenn Abschiede weh tun, irgendwann und irgendwie, es entsteht immer etwas neues. Auch wenn man immer das Gefühl hatte, dass es nie wieder so werden könnte. Aber es wurde, es wurde wieder so gut und so intensiv, genauso wie ich es in den Momenten brauchte.

Und mein kleiner (oder großer) Wermutstropfen: Es gab immer Menschen, die blieben und die mich nach all der Zeit immer noch begleiten. Mal intensiver, mal weniger, immer so wie es für mich gerade gut ist. Manchmal gibt es Grenzen, aber es lassen sich immer gemeinsame Wege finden. Manchmal bleibt das Besondere einfach, weil es für beide besonders ist!
~Gemeinsam lassen sich scheinbar unbedeutende Momente des Lebens in wunderschöne Augenblicke verwandeln, die man nie vergisst!~
19.01.2021, 19:33 Uhr | bke-Lorenz
Hallo Liasanya,

auch heute bedanke ich mich dafür, dass du uns rückblickend in deinem Post-Countdown an deinen Erfahrungen teilhaben lässt *smiling*!

Viele Grüße und einen schönen Abend,
*bye* bke-Lorenz
19.01.2021, 10:30 Uhr | Liasanya
13 Tage...

Vom 6er im Lotto zum Beratungsabbruch

Der schlimmste Moment im letzten Jahr, war für mich definitiv die Erfahrung mit meiner Beraterin, die von jetzt auf gleich die Beratung beendet hatte. Dabei war sie doch mein persönlicher 6er im Lotto? Dabei fühlte sich bis dahin alles richtig an und es gab keine Anzeichen. Oder habe ich die Anzeichen übersehen?

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass sie immer sehr offen war und sie auch immer sagte, wenn sie etwas nicht verstanden hatte. Sie sagte irgendwann sogar, dass sie sich Supervision nehmen wollte, damit sie mich besser unterstützen könnte. Eigentlich alles Zeichen, die doch für das Gegenteil stehen?

Ich hatte immer die Angst sie zu verlieren, diese Angst war und ist mein ständiger Begleiter. Zu viele Verluste gehabt, sodass sie sich immer wieder breitmachen kann. Aber ich habe diese Angst immer offen angesprochen und sie hatte sie mir immer genommen, mir immer versichert, dass sie nicht gehen würde. Sie hat immer gesagt, sie macht all das, um mir zu helfen und mich besser unterstützen zu können.

Sie war die erste Beraterin, wo ich das Gefühl hatte, dass ich dort wirklich hin möchte. Wo ich das Gefühl hatte, dass ich aktiv Fortschritte mache und diese auch wahrnehme. Ich habe es gespürt und daher waren mir die Termine immer sehr wichtig. Die Gespräche haben einen Denkprozess in Gang gebracht, denn ich vorher nie hatte. Nun ging ich nach Hause und es wirkte nach, ich dachte darüber nach und daraus ist etwas entstanden. Früher ging ich immer nach hause und damit war der Termin abgeschlossen. Aber ich dachte danach nicht mehr an den Termin, setzte mich nicht mehr mit den Themen auseinander und so war die Veränderung nur schwer spürbar. Aber jetzt, wirkte ich aktiv mit und merkte, dass ich etwas verändern kann.

Ich habe lange nachgedacht, wieso es jetzt ist? Wieso es nicht vorher soweit war? Vielleicht weil ich nicht bereit dazu war? Weil die Person nicht die richtige war? Weil die Berater jeweils die falsche Richtung eingeschlagen hatten? Weil sie vielleicht die falsche Tonlage hatten? Weil sie mir keine Sicherheit vermittelt hatten?
Ich glaube es kann wirklich viele Gründe geben und ich werde wohl auch keine Antwort auf diese Frage finden. Dennoch denke ich, dass ich etwas erwachsener und reifer geworden bin und wahrscheinlich jetzt erst dazu bereit bin mich zu verändern. Ich glaube damals war ich viel zu emotional, viel zu risikobereit, geleitet von Stimmungsschwankungen und dem schwarzen Gedanken. Da war ich glaube ich noch gar nicht dazu in der Lage, mich wirklich zu verändern. Natürlich veränderte sich auch damals etwas, aber ich glaube es war langsamer und schleichender, es passierte mehr im verdeckten und ich sah die Fortschritte erst viel später, weil ich sie nicht wahrnehmen konnte (oder wollte?).

Ich weiß nicht bis heute nicht, wieso sie die Beratung von heute auf morgen beendet hatte. Ihre Erklärung war damals, dass sie nur 10 Termine vergeben würden und wir schon darüber hinaus seien. Aber es passte nicht, zu dem was ich in all den Terminen vorher erlebt hatte. Da war nie die Rede von einer Eingrenzung. Wieso suchte sie sich Rat und Unterstützung, telefonierte herum, recherchierte im Internet und machte sich so viel zusätzliche Arbeit (zu den Beratungsterminen, die wir ja bereits hatten)? Es passte nicht zusammen und es ist für mich bis heute nicht stimmig.

In dem Moment hatte es mir das Herz gebrochen. Es hatte mich so enttäuscht, so verletzt und ich konnte es einfach nicht verstehen. Was mich für Wochen aus der Bahn geworfen hatte, bis wir dann am Ende wieder zueinander gefunden hatten. Und es lustigerweise schon wieder mehr als 10 Termine sind. Nun, hoffen wir auf keine Wiederholung.
~Gemeinsam lassen sich scheinbar unbedeutende Momente des Lebens in wunderschöne Augenblicke verwandeln, die man nie vergisst!~
18.01.2021, 09:56 Uhr | Liasanya
14 Tage...

Wenn ein Stein (Felsbrocken) von der Schulter fällt.

Ich habe wirklich viel Erfahrung sammeln können, dennoch habe ich mit der Zeit gelernt, dass es manche Themen gibt, die ich lieber meiden sollte. Irgendwann weißt du, welche Themen leichter und welche schwerer zu besprechen sind. Du bekommst ein Gefühl dafür, wo sich Berater unsicherer bewegen und welche sie bevorzugen. Es ist zwar bei jedem etwas unterschiedlich, aber dennoch habe ich sehr schnell ein Gefühl dafür, was ich ansprechen kann und was nicht.

Es gab und gibt aber immer noch Themen, bei denen ich mich verdammt schwer tue sie auszusprechen. Natürlich sind es immer schwere Themen, sonst wäre es ja auch kein Problem sie anzusprechen. Es sind aber in der Regel auch Themen, bei denen ich schlechtere Erfahrungen gemacht habe. Wo ich gemerkt habe, da bewegen wir uns alle auf dünnem Eis.

Aber es gibt auch ein Problem: Wenn ich es nicht erzähle, bleibe ich damit alleine. Natürlich haben wir hier die Mailberatung und die anderen Angebote, aber es ist eben auch nur online. Natürlich ist es entlastend, es zumindest irgendwo ansprechen zu können, aber es ist dennoch etwas anderes, wenn man es vor Ort ansprechen kann. Es ist ein Anfang online, aber es ersetzt nicht das vor Ort, nicht das was es einen geben kann.

Ich bin auch jemand, der immer von seiner Angst gelenkt wird. Der dann im Termin sitzt und den Mund nicht mehr auf bekommt. Wie soll ich da erst etwas schweres ansprechen? Wie soll ich das schwerste Thema (für mich!) überhaupt nur ansprechen? Wenn ich doch gleichzeitig die Angst vor der Reaktion habe? Wenn ich Angst habe, dass sie es nicht versteht? Oder sie danach überfordert ist? Oder im schlimmsten Fall die Beratung beendet?

Ja ich hab all die Erfahrungen gemacht, aber ich habe auch gelernt, dass es dennoch das Beste ist sich zu öffnen und sich zu trauen. Nur so kann es sich verändern, nur so kann es auf Dauer anders werden. Manchmal muss man sich der Angst stellen, denn sie wird sonst zu einem riesen Monster werden.

Als ich mich das letzte Mal überwunden hatte, mein schwerstes Thema ausgesprochen hatte, war meine Beraterin erstmal sprachlos. Aber danach hat sie ganz wunderbar und nachvollziehbar reagiert. Sie war offen und ehrlich, hat gesagt, dass sie mit meinen Thema bisher nichts zu tun hatte. Das sie keine Erfahrung hat, aber mich damit nicht alleine lassen möchte. Also hat sie sich auf der Suche gemacht und Hilfe geholt um mir zu helfen. Sie war interessiert, wollte sich auf neuen Wegen begeben! Und genau das hat mir gezeigt, dass es sich lohnt, sich der Angst in den Weg zu stellen und zu zu trauen, sich zu öffnen und zu erzählen.

Ich bin unendlich froh, dass ich diesen Schritt gegangen bin. Weil ich ein Thema immer zurück gehalten hatte, weil ich mich einfach nicht getraut hatte. Aber am Ende war es das Beste, was ich tun konnte und was mich heute am weitesten gebracht hat. Wobei ich natürlich erstmal Panik hatte, total unsicher war und mir dachte, dass es ein riesen Fehler war. Aber ich würde es jederzeit wieder so machen, weil mich der Weg weitergebracht hat.

Auch dieses Gefühl, dass da ein Stein von meiner Schulter gefallen ist, alleine das war es wert. Es ist eine Last, die einfach immer da war und wenn der Druck erstmal weg ist, fühlt sich alles schon ein wenig leichter an. Und ich bin so unendlich froh, dass mich bestimmte Menschen dabei immer unterstützt haben und die gesagt haben: Trau dich und sprech es an!!!

Ja, die Angst ist immer wieder da, aber ich stelle mich ihr immer wieder. Nur so kann es anders werden, nur so kann sich an meiner Situation etwas ändern. Es ist der richtige Schritt....
~Gemeinsam lassen sich scheinbar unbedeutende Momente des Lebens in wunderschöne Augenblicke verwandeln, die man nie vergisst!~
17.01.2021, 11:26 Uhr | Liasanya
15 Tage...

Fachberatungsstellen die sich (nicht) auskennen

Ich glaube meine frustrierendste Erfahrung, war der Besuch in der Fachberatungsstelle im letzten Jahr. Auf die Idee kam ich, weil meine Mailberatung mir vorgeschlagen hatte, mich doch noch weiter umzuschauen. Meine Beraterin kam immer mehr an ihre Grenzen und hatte sie auch klar benannt. Wobei ich es immer noch merkwürdig fand, dass eine psychologische Beratungsstelle sich nicht mit allen psychischen Erkrankungen auskennt. Klar gibt es manche häufiger und manche seltener, aber das ich jedes Mal die erste sein sollte, dass hatte mich schon gewundert.

Also fand ich auf der Suche eine Fachberatungsstelle, die sich super gut anhörte und zur Sicherheit fragte ich meine Mailberatung noch einmal, ob das wirklich die richtige wäre. Als die Rückmeldung da war, schieb ich der Fachberatungsstelle direkt eine WhatsApp. Eine Beratungsstelle die eine Kontaktaufnahme über WhatsApp ermöglichte, kannte ich bis zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht. Aber es kam mir super gelegen, weil mir alles lieber als anrufen war.

Es antworte mir nach wenigen Minuten eine wirklich sehr nette Frau, die direkt fast eine Stunde mit mir über WhatsApp schrieb. Ich schrieb ihr von mir, von meinen Problemen, von meinen Ängsten und was ich suchen würde. Am Ende fragte sie mich, ob ich noch einen Chat-Termin machen wollte und ich stimmte natürlich zu. So erhielt ich direkt einen nächsten Termin und ich war eigentlich sehr entspannt aus dem "Termin" gegangen. Immerhin saß ich zuhause auf dem Sofa und ich hatte das Gefühl, dass das was gutes werden könnte.
Der zweite Chat-Termin lief ziemlich gleich ab und am Ende schlug sie vor, dass wir uns doch beim nächsten Mal vor Ort treffen könnten. Ich überlegte erst 2-3 Tage und stimmte dann zu.

Und so kam es, dass ich beim dritten Termin in der Fachberatungsstelle saß und am Ende doch alles anders kam. Natürlich war ich total aufgeregt, bin ich bei jedem ersten Termin. Sie stellte sich noch einmal vor, erklärte den Rahmen und dann kamen wir an den Punkt, der doch wieder alles verändert hatte. Sie erklärte mir, dass sie erst neu in der Beratungsstelle sei und sich mit meinen Thema gar nicht auskennen würde. Sie hätte auch mit ihrer Kollegin gesprochen, die auch keine Erfahrungen mit meiner Thematik hätte. Sie hätte zwar etwas recherchiert, aber sie hätte noch keine Idee, wie sie mir überhaupt helfen könnte. Und in dem Moment dachte ich nur: Ich hab dich zweimal gefragt! Ich hab dich zweimal gefragt, ob ich bei dir (bzw. euch) wirklich richtig bin! Und sie hat jedes Mal ja gesagt, genau deswegen saß ich dort und am Ende, stimmte es eben nicht wirklich.
Natürlich war ich nach dieser Info ziemlich enttäuscht und ich musste mich erstmal innerlich sammeln. Als dann ihre Frage kam, ob ich noch etwas ansprechen möchte, wusste ich natürlich keine Antwort. So sagte sie dann direkt, dass wir den Termin dann jetzt beenden würden. So war mein Termin in dieser Fachberatungsstelle nach ca. 15 Minuten beendet.

Somit war mein Ausflug in die Fachberatungsstelle für mich auch erledigt. Erst im nachhinein habe ich erfahren, dass die Beratungsstelle erst vor einen Jahr gegründet wurde und somit wirklich noch in den Kinderschuhen steckte. Beide Mitarbeiterinnen waren vorher noch nicht in einer Beratungsstelle tätig und befanden sich somit auf neuen Wegen. Dazu kam noch, dass die Beraterin die ich getroffen hatte, ihr Studium erst abgeschlossen hatte und daher auch noch kaum Erfahrungen gesammelt hatte. Ich hatte also doppeltes Pech.

Aber was habe ich gelernt? Das Berater auch nur Menschen sind und auch Berater irgendwo einmal ihren Berufsweg beginnen. Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass sie schon im ersten Chat-Termin gesagt hätte, dass sie eigentlich gar keine Erfahrungen haben. Dann hätte ich nicht angefangen, eine Beziehung zu der Person im Chat aufzubauen. Dann wäre ich auch gar nicht erst hingegangen, weil das alles Kraft und Mut gekostet hat.
Aber dennoch hat es mich Schritte weitergebracht, weil ich wieder neue Erfahrungen gemacht habe. Kontakt zu neuen Menschen aufnehmen, eine Beziehung herstellen, etwas neues zu erzählen, sich der Angst zu stellen und all solche Dinge. Jede Erfahrung, egal ob gut oder schlecht, irgendwie bringt sie mich weiter. Auch wenn man manches erst im nachhinein merkt, manche Fortschritte erst später bemerkt.
~Gemeinsam lassen sich scheinbar unbedeutende Momente des Lebens in wunderschöne Augenblicke verwandeln, die man nie vergisst!~
16.01.2021, 21:07 Uhr | bke-Sia
Liebe Liasanya,

vielen Dank für deine Worte, mit denen du langsam Abschied nimmst.
Immer mehr wirst du Entscheidungen für dich selber treffen.
Manchmal werde es auch noch andere für dich tun.

Hier ein Text, der mich immer sehr befreit:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.


Gute Nacht!
bke-Sia
16.01.2021, 13:13 Uhr | Liasanya
16 Tage...

Menschen die Entscheidungen (für mich) treffen

In meinen Leben gab es viele Entscheidungen, die andere Menschen für mich getroffen haben. Zuerst weil ich zu klein war, um eigene Entscheidungen zu treffen. Später, weil sie die Macht über mich hatten. Irgendwann habe ich begonnen meine eigenen Entscheidungen zu treffen. Und manchmal haben Menschen Entscheidungen für mich getroffen, weil sie mir helfen wollten und ich es selbst nicht konnte.

Zuerst sind wir zu klein, sodass unsere Eltern alle Entscheidungen treffen. Normalerweise tun sie es, weil sie das Beste für uns wollen. In meinen Fall wollte meine Mutter das Beste für sich, aber nicht für mich. So wurden alle Entscheidungen nach dem Maß getroffen: Was brauche ich? Was tut mir gut? Was hilft mir? Und die Entscheidungen waren nicht immer das Beste für mich.

Später habe ich mich immer in die Ecke stecken lassen, in die andere mich haben wollten. Ich habe das getan, was andere von mir wollten. Immerhin war es das, was ich mein Leben lang gelernt hatte. Wie sollte ich auch wissen, dass es anders ist? Wie sollte ich mich durchsetzen, wenn ich nie gelernt hatte, wie das überhaupt geht? Wenn die Angst viel zu groß war, um nur einmal den Mund aufzumachen?

So größer ich wurde, so mehr ich darüber nachdachte, so mehr ich meine Umwelt wahrnahm, so mehr merkte ich auch: Das ist nicht richtig! Bei den anderen ist es anders! Aber wie verlässt man seine Normalität, wenn man nichts anderes kennt? Am Ende musste es erst richtig weh tun, ich musste so tief fallen, dass es nicht mehr anders ging. Erst dann merkte ich, dass es so nicht weitergehen kann. Also traf ich die Entscheidung für mich: Es muss sich etwas ändern! Aber wie? Ich hatte gar keinen Plan, gar keine Idee. Am Ende bin ich in der Beratungsstelle für Kinder- und Jugendliche gelandet. Ein kurzer Ausflug, der mir aber zumindest etwas Mut gemacht hat.

Aber zu dem Zeitpunkt war ich schon so fernab von allem, dass es täglich nur noch ums überleben ging. Ich wollte nicht mehr leben, wollte all das nicht mehr ertragen. Ja, am Ende hat die Schulsozialarbeiterin für mich die Entscheidung getroffen und mich zwangseinweisen lassen. Ich hab sie gehasst, aber (wie bereits schon mal erzählt) am Ende war es das Beste, was mir hätte passieren können. Denn erst diese Entscheidung hat vieles in Gang gebracht. Ich glaube ich wäre nie in der Lage gewesen, diese Entscheidung selbst zu treffen.

Es gab auch noch andere Entscheidungen, die andere Personen für mich getroffen haben und im ersten Moment hatte ich sie fast immer dafür gehasst. Alles was neu ist macht einfach Angst, weil wir es nicht kennen und nicht wissen, was dann passieren wird. Auch wenn wir in der tiefsten Scheiße sitzen, bleiben wir manchmal lieber sitzen, als uns auf neuen Wegen zu begeben. Weil die Angst viel zu groß ist und das was wir bereits haben - egal wie schwer es auch sein mag -ist immerhin das, was wir bereits kennen und wir wissen, was uns am Ende erwartet.

Ja Entscheidungen zu treffen sind verdammt schwer, aber manchmal können sie viel verändern, sehr viel sogar. Manchmal ist es gut auf die Menschen zu hören, die einen wirklich helfen möchten! Kein Berater, kein Therapeut, kein Betreuer, kein Vormund möchte einen etwas schlechtes, sonst wären sie im falschen Job. Manchmal ist es vielleicht auch nicht die beste Entscheidung, aber sie kann zu einer Veränderung führen. Es mag sich manchmal am Anfang total beschissen anfühlen, aber es bringt etwas in Gang und darum geht es oft. Nur durch Veränderung kann es anders werden, nur so kann es auch besser werden. Manchmal wird es vielleicht auch erst schlechter, es wird schwerer, aber auch das ist manchmal der Weg in die Besserung. Abwarten, aussitzen und hoffen, dass können wir leider unendlich lange. Die Chance das es sich von selbst ändert, ich glaube die ist verdammt gering. Darauf zu hoffen, dass sich unsere Umwelt ändert (unsere Freunde, die Familie, die Schule etc.), ich glaube darauf können wir lange warten. Am Ende können wir nur eins selbst bestimmen: unsere eigenen Entscheidungen und die Veränderungen, die wir damit in Gang setzen.
~Gemeinsam lassen sich scheinbar unbedeutende Momente des Lebens in wunderschöne Augenblicke verwandeln, die man nie vergisst!~
15.01.2021, 11:56 Uhr | Liasanya
17 Tage...

Wir schaffen neue Autobahnen, wenn der Druck zu groß wird.

Früher hatte ich eine sehr, sehr aktive SVV Phase. Irgendwann wurde es zu meinen ständigen Begleiter, zu meiner einzigen Möglichkeit den Druck abzubauen. Wir standen schon kurz vor der Hochzeit, aber zum Glück habe ich die Kurve bekommen und gemerkt, dass es auch andere Wege gibt.

Aber irgendwann verselbstständigt es sich einfach: etwas enttäuscht mich, etwas verletzt mich, ich versteh etwas nicht, ich bin traurig, ich bin wütend, ich bin ... und am Ende ist die Lösung immer die gleiche: SVV.
Irgendwann habe ich auch nicht mehr über andere Möglichkeiten nachgedacht, denn ich hatte meine Lösung gefunden. Etwas womit es mir in diesem Moment gut ging und das mir das gegeben hatte, was ich in dem Moment brauchte.

Aber genau da ist das Problem! Es ist selbstverständlich! Irgendwann denkt man gar nicht mehr darüber nach! Das Problem und die Lösung für den Moment sind klar.

Natürlich war auch das SVV dann irgendwann mal Thema in der Klinik. In der ersten Klinik hatten sie mir einfach nur Listen in die Hand gedrückt und mir dazu zwei Sätze gesagt. A la: Probiere das mal aus! Und damit war das Thema für meine Therapeutin auch schon durch.

Aber in der zweiten Klinik traf ich ja eine wirklich sehr gute Therapeutin, die es dann viel ausführlicher zum Thema machte. Sie erklärte mir, wieso das SVV irgendwann einfach zum Automatismus wurde. Wieso es irgendwann einfach normal wird und wir uns irgendwann gar nicht mehr mit Alternativen beschäftigen. Denn SVV ist das, was wir kennen und gewohnt sind. Alles neue ist unbekannt, wir wissen nicht wie es funktioniert, wie es wirken wird und wir müssen es vor allem erstmal testen. Wieso also etwas neues ausprobieren, wenn wir schon etwas funktionierendes haben? Also greifen wir automatisch auf SVV zurück, weil wir es kennen, wir wissen wie es geht und was das Ergebnis ist.

Die Therapeutin erklärte mir, dass Skills wie Fahrradfahren ist. Bei den ersten versuchen fallen wir alle hin, weil uns die Übung dazu fehlt. Vielleicht schaffen wir es sogar einen Meter zu fahren, vielleicht sogar zwei. Aber es braucht etwas Zeit, bis wir es schaffen, ohne hinzufallen zu fahren.
Aber es gibt noch andere Faktoren, die eine Rolle spielen: Vielleicht hat das Fahrrad auch die falsche Größe? Oder das falsche Lenkrad? Vielleicht hat es auch die falsche Form?
So ist es mit Skills, wir müssen die richtige Art finden und wir müssen sie üben, immer und immer wieder!

Und wie übt man am besten? Wenn der Druck gerade beginnt, wenn es anfängt zu kitzeln. Denn wenn der Druck zu groß ist, dann ist oft ein Test gar nicht mehr möglich. Dann sind im Gehirn schon alle Weichen fürs SVV gestellt. Wir müssen viel früher beginnen, nämlich da, wo der Druck beginnt. Wenn wir merken, dass wir enttäuscht oder verletzt sind. Wenn wir merken, dass wir traurig werden und wir genau wissen, dass es am Ende wieder passieren könnte....

So saß ich noch gut 8 Wochen in dieser Klinik und teste jeden Tag meine Skills. Immer und immer wieder, bis ich sie irgendwann nicht mehr sehen konnte. Aber irgendwann war es so normal geworden, dass ich es schon automatisch konnte. Ich würde schon fast sagen blind, wie beim SVV, was auch irgendwann blind passierte. Natürlich muss man erstmal seine Skills finden, denn nicht alle sind für jeden etwas. Aber es gibt welche, wo man eher das Gefühl hat: das könnte ich mir vorstellen! Und es gibt andere, bei dem es genau das Gegenteil ist. Und am Ende heißt es: testen, testen, testen. Testen, bis es irgendwann normal geworden ist und wir nicht nur einen Automatismus haben, sondern mehrere und wir aktiv entscheiden können, welchen Weg wir wählen.
~Gemeinsam lassen sich scheinbar unbedeutende Momente des Lebens in wunderschöne Augenblicke verwandeln, die man nie vergisst!~
14.01.2021, 22:08 Uhr | Liasanya
Hallo unaware,

vielen Dank für deine Antwort!

Ich war schon immer jemand, der sich durch Worte ausgedrückt hat. In der stationären Therapie hatte ich mal eine Therapeutin, die meinte ich sollte meine Geschichte aufschreiben. In Rahmen der Therapie sind dann fast 100 Seiten entstanden, die wir gemeinsam immer weiter besprochen und sicherlich auch ein Stück weit aufgearbeitet hatten. Dafür fällt mir das (aus)sprechen viel, viel schwerer und es stellt mich oft vor neuen Herausforderungen.

Woher ich die Kraft zu all das nehme? Ich kann es dir ehrlich gesagt gar nicht sagen. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich immer die Kraft dazu habe. Es gibt immer Zeiten, in denen ich die Kraft dazu habe und die nächsten Schritte gehe. Es gibt aber auch immer wieder Zeiten, in denen ich einfach nichts mehr schaffe und eine Pause brauche.

Über mich und meine Probleme habe ich gerade in den Kliniken sehr, sehr viel gelernt. Herausgenommen aus der normalen Umgebung und dazu die intensive Therapie, da lernt man glaube ich automatisch eine ganze Menge. Natürlich habe ich auch in den Beratungsstellen einiges gelernt, dass mag ich überhaupt nicht bezweifeln. Aber ich glaube, dass in der Klinik immer mehr in Gang gesetzt wurde und dadurch das man sich täglich mit sich selbst beschäftigt, die unterschiedlichen Therapien hat, kann da auch schnell mehr entstehen. Vor Ort sind die Termine oft so weit auseinander, dass der ganze Prozess, dann auch viel länger dauert. Aber egal wo, es ist etwas was mit der Zeit entsteht glaube ich.
So sicher mit meinen Problemen, kann ich auch nicht überall umgehen. Es sind eher die Bereiche wo ich mich sicher fühle: Beratung, Therapie, Onlineberatung etc. Dort wo ich einfach auch weiß, wie die Menschen darauf reagieren. In meiner normalen Umwelt führe ich eher ein Doppelleben, aber es funktioniert und ich kann gut damit Leben. Niemand muss alles wissen und vieles geht die Menschen gar nichts an.

Und natürlich suche ich die Veränderung, weil ich merke, dass es noch nicht gut ist. Ich habe viel gelernt, bin viele Schritte voran gegangen, aber ich bin noch nicht am Ziel angekommen. Und ich weiß, dass ich das auch nicht alleine schaffen kann, also suche ich Unterstützung und hoffe, dass ich so die Veränderung finde, die ich für mich suche.

LG Lia
~Gemeinsam lassen sich scheinbar unbedeutende Momente des Lebens in wunderschöne Augenblicke verwandeln, die man nie vergisst!~
14.01.2021, 18:03 Uhr | unaware
Hallo.

Unglaublich schöne Texte. Du kannst sehr gut schreiben.

Ich frage mich, woher nimmst Du die Kraft?
Und woher weißt Du so gut um Deine Probleme Bescheid? Sie zu kennen ist eines, aber sich damit zu bekleiden und sagen, dass man diese Probleme selbst hat (dazu zu stehen), ist ganz anders.
Und dann auch noch Veränderung wollen und sich suchen.

Einfach nur Wahnsinn und extrem krass!
Ich ziehe den Hut vor Dir, was Du alles geschafft hast und immer noch schaffst ist Wahnsinn.

Ich wünsche Dir alles Gute, auf all Deinen Wegen!
Und ich warte gespannt auf weitere Berichte. Danke dafür.

Gruß unaware
14.01.2021, 13:46 Uhr | Liasanya
18 Tage...

Wenn zwei Welten sich in der Beratungsstelle treffen. Teil II.

Die Geschichte (19 Tage...) mit der Beraterin hatte mich sehr verletzt, aber sie hat mich auch zum handeln gebracht. Ich hab das beendet, was mir nicht gut getan hat! Die Beratung! Als ich zuhause angekommen war, hab ich direkt nach einer neuen Beratungsstelle gesucht und um einen Termin per Mail gebeten. So viel Glück wie ich hatte, hatte die Mail noch jemand gelesen und mir angeboten, doch direkt am nächsten Nachmittag in die offene Sprechstunde zu kommen.

Ich war so aufgeregt und voller Angst, dass ich kaum ruhig sitzen konnte. Aber schon im ersten Moment als ich sie gesehen hatte, wusste ich es würde passen. Ich kann gar nicht sagen wieso, aber manchmal hat man das Gefühl einfach.
So saßen wir dort im Büro, sie lächelte die ganze Zeit und strahlte eine Sicherheit für mich aus, sodass ich mich direkt sicher bei ihr fühlte. Natürlich war die Angst noch da, die verschwindet nicht von jetzt auf gleich. Aber ich hatte dennoch das Gefühl hier richtig zu sein, richtig bei ihr zu sein. Sie wirkte neugierig, stellte die richtigen Fragen und lachte immer mal. Es wirkte alles so natürlich, so normal und es gab mir Sicherheit.

Die andere Beraterin war starr, klar, direkt und in meinen Augen unemotional. Da war kein echtes lächeln, eher ein gezwungenes, aber kein natürliches. Sie gestikulierte kaum, lachte kein einziges mal wirklich. Und da saß ich jetzt bei der neuen Beraterin, die einfach total natürlich wirkte und mich direkt erreicht hatte.

So unterschiedlich wie die Menschen eben sind, manchmal passt es, manchmal nicht. Am Ende bin ich so froh gewesen, dass ich diese Erfahrung gemacht habe und sie mich am Ende zu meinen neuern 6er im Lotto geführt hat.

Ich hab auch gelernt, was mich sehr verunsichert und was mir Sicherheit gibt! So verunsichert es mich, wenn die Berater nicht natürlich wirken oder sie mir immer wieder unterschiedliche Informationen geben. Oder sie geben mir Sicherheit, wenn sie Gefühle zeigen, auch mal etwas von sich preisgeben oder wir einfach mal gemeinsam über etwas lachen können.

Am Ende weiß ich, dass auch sie nur eine Station auf meinen Weg sein wird. Aber ich bin dankbar über jeden einzelnen Termin mit ihr!!!! [Auch wenn ich sie manchmal am liebsten zum Teufel schicken würde.]
Zuletzt editiert am: 14.01.2021, 13:47 Uhr, von: Liasanya
~Gemeinsam lassen sich scheinbar unbedeutende Momente des Lebens in wunderschöne Augenblicke verwandeln, die man nie vergisst!~
14.01.2021, 12:24 Uhr | Liasanya
Hallo Kampfsocke,

ich habe einen sehr langen Weg hinter mir, aber man muss auch bedenken, dass ich schon im Grundschulalter in irgendwelchen Maßnahmen unterwegs war. Natürlich habe ich daher auch sehr viele Erfahrungen sammeln können, gute wie schlechte. Und die Menschen sind einfach unterschiedlich, so kann es einfach vorkommen, dass es manchmal einfach nicht passt. Manchmal verändert man sich selbst auch oder die Bedingungen ändern sich, dass man weiterziehen muss. Alleine mit jedem Umzug, verändert sich alles und somit entsteht auch jedes mal ein neues Helfernetzwerk. Wäre ich immer am gleichen Ort geblieben, wäre sicherlich einiges anders gekommen!!! Ich glaube, dass muss ich noch mal ganz klar sagen.

Ich hab in den Jahren wirklich viele Menschen kennengelernt und manche möchte ich nicht missen! Manche waren nur kurz an meiner Seite, andere über Monate und Jahre! Ich kann mich noch an alle Namen erinnern, noch an all die Erfahrungen, weil sie mein Leben geprägt haben! Sie waren alle etwas besonderes für mich und ich werde sie immer in meinen Herzen tragen. Auch die blöden und negativen Erfahrungen, auch sie haben ihren Platz, denn sie haben mich etwas gelehrt und daraus bin ich gewachsen. Ja sie haben manchmal weh getan, sie haben mich manchmal Schritte zurück geworfen, aber dennoch konnte ich etwas daraus lernen. Und all die positiven Erfahrungen haben mir gezeigt, dass es sich lohnt dafür zu kämpfen! Das es immer wieder Menschen gibt, wo es einfach passt und die mir wirklich helfen können! Manchmal eben erst im zweiten Anlauf, aber auch das ist in Ordnung! Denn es gibt sie da draußen!!!!

LG Lia
~Gemeinsam lassen sich scheinbar unbedeutende Momente des Lebens in wunderschöne Augenblicke verwandeln, die man nie vergisst!~
13.01.2021, 12:20 Uhr | Kampfsocke
Hall o liasan. Ic dank dir für dein Beiträge. Sehr offene auf ein Seite klingt reif auf andere klingt verzweifelte. Wen i mir das vor stell das du über Jahr viele Stellen hattest und therap un betreuer un heut noch nicht den richtig plaz hast. Dan macht das angst. Ob 6 woche wart zeit oder berater geht nich auf einen ein. Das macht mir angst. Den i glaubte das es neben Klinik bessere läuft. I sehe es hier aber wen i deins lese. Dan hab i nich viel hoffnung das es woanders besser läuft. Ganz schö krass alles. Du hast au mal schreibt das sie erst sagten sie helfe dir und dann stand du doch allei da. Unmöglich. Da würd i au vertrauen verliere.
Wer nur in Socken geht, dem kann man nichts in die Schuhe schieben.

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