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20.07.2020, 18:43 Uhr | Sany2018
Es fällt mir schwer, diesen Text zu schreiben. In dieser Woche ist es also soweit, ich werde verabschiedet, tatsächlich habe ich diesen Tag seit vielen Wochen, nein, seit Monaten herbeigesehnt, er konnte mir nicht schnell genug kommen, ich wollte lieber heute als morgen verabschiedet werden und jetzt ist es der Fall und in mir ist einfach nur eine Mixtur aus Angst, Erleichterung und Trauer.

Fast auf den Tag genau habe ich mein vorheriges Leben abgegeben und für die Kinder und die Einrichtung “geopfert“. Ich habe fast ein Jahr lang mehr Zeit dort mit diesen kleinen und großen Menschen verbracht, als zu Hause. Der Alltag dort war quasi mein Lebensinhalt, ich war ein Jahr lang, beinahe kontinuierlich, mit dieser Einrichtung konfrontiert, das bindet, das prägt!

Als ich damals anfing, hatte ich keine Erfahrungen in diesem Gebiet, geschweige denn mit dem Arbeitsleben in Vollzeit und der Rolle als Arbeitnehmerin, ich kam ja direkt aus der Schule, die zuvor mein Lebensinhalt war. Diese Erfahrung traf mich hart, sehr hart. Ich weiß noch, wie überfordert und hilflos ich zu Beginn war und wie unfähig ich mich fühlte.

Ich hatte kaum Wünsche oder Erwartungen, ich wollte einfach nur an- und aufgenommen werden und eine Entlassung für die Hauptamtlichen darstellen.

Ich brauchte damals ewig, um mir meinen Platz im Team zu erkämpfen, waren sie doch von Tag 1 an alle in dieser Konstellation zusammen und zudem auch privat eng miteinander, ich brauchte ewig, um zu überzeugen, dass ich nicht war, wie diejenigen vor mir, ich brauchte ewig, um mich daran zu gewöhnen “die billige Arbeitskraft“ zu sein, mit der, zu Beginn, niemand arbeiten wollte. Ich brauchte ewig, um zu lernen diese tägliche Belastung dort auszuhalten und trotzdem zu funktionieren. Ich gab alles und noch mehr, immer, jeden Tag, ich fehlte nie, ich setze alles daran, um nicht störend zu sein, sondern hilfreich. Ich war in dem Jahr diejenige, die am häufigsten in der Einrichtung war und am geringsten Gehalt und Wertschätzung bekam, ich war die, die dennoch alles machte, was auch die Hauptamtlichen taten und noch mehr.

Dennoch.

Die Kinder sind wie Geschwister für mich geworden, diese bedingungslose Herzlichkeit und Freude hat mich immer für alles entschädigt. Ich habe sie aufwachsen und lernen sehen, ich habe ihre Meilensteine miterlebt und dazu beigetragen, ich habe in dem Jahr alles von diesen Kindern mit er- und gelebt. Ich sah diese Kinder häufiger als ihre Eltern sie sahen und die Kinder mich häufiger, als meine Familie mich. Sie sind mir ans Herz gewachsen und es tut so weh, wenn ich daran denke, dass ich sie nicht mehr in dieser Form wiedersehen werde, darf und kann.

Das Team. Auch, wenn sie mich oft ausgenutzt und selten gewertschätzt haben, so habe ich mich auch an diese Menschen gebunden und auch diese und die gemeinsame Zeit werde ich vermissen.

Ich habe Angst vor dem Tag, der mir unmittelbar bevorsteht.

Ich weiß nicht, wie ich ihn aushalten und überstehen soll.

Ich weiß nicht, wie ich denken und fühlen soll.
24.07.2020, 22:02 Uhr | bke-Milah
Liebe Sany,

ich glaube schon, dass die Kinder verstanden haben, warum du so geweint hast. Ich finde es auch überhaupt nicht unangemessen, wenn ich lese, wie sehr dir die Kinder ans Herz gewachsen sind.
Und dass du dich gerade sehr müde, kaputt und überfordert von allem fühlst, ist auch absolut verständlich, bei all den Eindrücken und Gefühlen, die mit dem Abschied verbunden waren und sicher auch noch eine Weile sind. Ich wünsche dir von ganzen Herzen, dass bei all dem nicht so Schönem, was du in diesem Jahr erlebt hast dir immer wieder diese dankbaren Kinder und ihr Lächeln, dass du ihnen ganz sicher das eine oder andere mal ins Gesicht gezaubert hast, in Erinnerung bleiben.

Herzliche Grüße
bke-Milah
24.07.2020, 18:14 Uhr | Sany2018
Der Abschied liegt nun hinter mir [...].

Ich weiß nicht so recht, was ich sagen soll. Es war so hart, wie ich es erwartet hatte. Ich musste am vorletzten Tag bereits weinen, als ich die Kinder hab stehen lassen und nach Hause gehen müssen und am letzten Tag, im Abschiedskreis, gab es dann kein halten mehr. Tatsächlich war es mir sehr, sehr unangenehm so weinen zu müssen, weil die Kinder es nicht verstanden und ich mich kurzzeitig kaum beruhigen konnte, aber ich habe es geschafft und das Kapitel, FSJ, liegt nun fast hinter mir, Ende des Monats läuft der Vertrag offiziell aus und ich bin somit von der Verpflichtung befreit.

Im Moment realisiere ich das Ganze noch nicht ganz, aber irgendwann wird es ankommen und dann werde ich berichten, wie es mir damit geht, denn das kann ich gerade nicht beantworten.

Ich bin einfach nur müde, kaputt und überfordert von allem, was an Eindrücken und Gefühlen auf mich zugekommen ist diese Woche.

*woot*
21.07.2020, 08:36 Uhr | Einhorn--
Hallo Sany,

Das was du beschreibst kann ich gut nachvollziehen, erinnert mich ein wenig an mein erstes Ausbildungsjahr.
Es gibt unterschiedliche Praxisstellen, nicht jedes Team ist gleich.
Ich hoffe du kannst die guten Erfahrungen mitnehmen und evtl aus den nicht so guten lernen.

Ich finde auch, das eigentlich schönste ist, was die Kinder einem zurückgeben. Das ist mehr wert als alles andere. Ich hoffe du kannst das in Erinnerung behalten?
Du kannst sie bestimmt ab und an mal besuchen, das hab ich auch ganz viel gemacht.

Machst du dann eine Ausbildung oder ein Studium? Geht das auch in den sozialen Bereich? Sorry manchmal lese ich hier nicht so aktiv mit.

Ich kann aus meiner bisherigen Erfahrung sagen, ich war in 3 unterschiedlichen Teams und in den Ferien sogar auch immer nochmal in anderen, jedes Team hat eine andere Dynamik. Es gibt Teams in die man sich besser einfinden kann und in manchen weniger. Ich wünsche dir, falls du dich für einen Beruf in der Richtung entscheidest, dass du auch andere schöne Erfahrungen machen kannst. Denn es gibt auch Teams in denen mal als Fsj-ler oder in der ausbildung gleichrangig mit dem anderen personal steht.

Wie sagt man so schön, du blickst mit einem lachenden und einem weinenden auge zurück und das ist okay.
Ich wünsche dir, dass die letzten Tage noch schön werden.

Lass es auf dich zukommen. Selbst wenn es dich kalt lässt oder du weinst, jede Reaktion ist okay. Gefühle kommen und sind berechtigt und normal.

Alles liebe
Einhorn
~denn für starke Menschen werden schwierige Wege bestimmt~

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