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22.09.2020, 10:28 Uhr | Tobki
Hallo Zusammen,

ich bin der Tobias und 20 Jahre alt. Ich habe diese Seite als Empfehlung von meinem besten Freund bekommen. Ich wende mich hier an euch, damit ich auch die Sicht einer anderen Person bekomme anhand meiner Wahrnehmung und Darstellung.

Ich möchte ein es sehr detaiiliert halten und hoffe ich sprenge damit nicht den Rahmen.

Ende Juni habe ich meine jetzige Freundin kennengelernt, mit ihr bin ich seit Anfang September zusammen. Kennengelernt habe ich sie durch ihre Schwester, die ich schon 1,5 Jahre länger kenne.

Mein Problem ist, dass ich sie manchmal nicht einschätzen kann. Sie ist sehr oft neckisch. Sie bringt oft “blöde” Sprüche als würde ich meinen besten Freund auf den Arm nehmen. Aber es gibt auch so Aussagen wie bspw. “Wenn ich nächstes Jahr studiere, mache ich sowieso Schluss”, “Ich weiß auch nicht, wieso ich mich mit dir abgebe.” - Alles ist zwar mit einem lachen verbunden aber es stört trotzdem hin und wieder, zumal sie zu meinen Freunden oder ihren Freunden nicht ganz so “grob” ist.
Ich habe das auch angesprochen und es hat sich schon ein wenig gebessert aber sie kann es nicht komplett unterdrücken.

Des Weiteren hat sie noch keine richtigen Erfahrungen mit Beziehungen gemacht. Und, wenn sich etwas angebahnt hatte, dann wurde sie nur verarscht und fallen gelassen. Dementsprechend zeigt sie auch nur sehr wenig Zuneigung von sich aus oder offenbart sehr selten Gefühle. Sie meint zwar, dass sie das will aber sie braucht immer jemanden, der den ersten Schritt macht. Ich wiederum bin jemand, der gerne auch mal die Zuneigung und/oder Gefühle ohne zutun spürt.

Sie meint, dass sie sich durch ihre “Erfahrungen” nicht wieder verletzlich machen will. Ich kann es auf der einen Seite absolut verstehen. Aber auf der anderen Seite denke ich mir, wenn ich mich auf eine Beziehung einlasse, mache ich mich automatisch verletzlich. Und ich denke, dass man nur richtig fühlen kann, wenn man sich verletzlich macht. Weil man sich dann öffnet und sich komplett darauf einlassen kann, mit dem Risiko, dass es nicht funktionieren kann.

Sie macht aber dadurch keinen Schritt auf mich zu und das belastet mich schon ein wenig. Sie schlägt keine Treffen vor, das basiert auf meine Nachfragerei. Ich muss ihre Hand ergreifen. In der Öffentlichkeit lässt sie sich auch ungern küssen, den einen Tag ist sie kälter in ihrer Art und den anderen Tag wiederum offener, etc. Sie antwortet wieder neckisch, wenn man mal auf sie mit süßen Worten zugeht. Also da kommt selten etwas zurück. Natürlich hin und wieder mal, aber sehr selten.

Dennoch merkt man auch, dass sie das alles im Endeffekt genießt. Vorausgesetzt man geht den Schritt zuerst. Wie sie es mir eben auch selbst bestätigt hat. Ich habe auch schon öfter den Fehler gemacht und gesagt, dass sie das nicht mitmachen müsse, wenn sie es nicht will. Dann kommen immer so Aussagen: “Wenn ich es nicht wollen würde, dann würde ich es nicht zulassen und würde dir sagen.”
Sie kann sich auch sämtliche Daten, Orte, Augenblicke merken, etc. Was Frauen eben gut können im Gegensatz zu uns Männern.
Und da denke ich mir wieder, dass es ihr doch mehr bedeutet als ich mir jetzt vielleicht einrede.

Also sie sagt im Endeffekt, dass ihre Art auf ihre Erfahrungen zuvor basieren, da sie sich nicht verletzlich machen will. Aber wiederum die Nähe und Zärtlichkeiten trotzdem genießt.


Ich habe mich ihrer Schwester schon geöffnet, weil sie letztens nachgefragt hat, ob ich zufrieden in der Beziehung bin. Habe ihr dann das selbige geschildert und sie meinte, dass sie genau mit dieser Art ihre Gefühle zeigt bzw. Dass sie jemanden mag. Und sie meinte, dass es bei mir schon extremer ist und dass sie sich gegenüber mir auch viel offener verhält. Aber so richtig befriedigt hat mich diese Aussage im Endeffekt, wie ich jetzt merke, auch nicht. Sie meinte auch, dass es mal jemanden in ihrem Leben gab, dem sie sich hingeben wollte, er sie aber fallen lassen hat indem er urplötzlich ein Foto von seiner neuen Freundin gepostet hat ohne ein Wort ihr davor zu sagen. Was mich aber stutzig macht ist, dass sie immer noch mit ihm Kontakt hat.

Des Weiteren habe ich mich vor 2 Tagen mit einem guten Freund darüber unterhalten. Er hatte alles andere als eine schöne Kindheit und Jugend. Er musste aus seinem Elternhaus gerissen werden und wuchs im Teenageralter dann bei seinen Großeltern auf. Er ist auch „gefühlskalt“ aufgrund seiner Erfahrungen, wenn man es so nennen kann. Er ist auch übervorsichtig und kann seine Gefühle auch nicht zeigen. Er meinte aber, dass es mit der Zeit kommt. Dass man die Zeit dennoch genießen soll und man immer weiter und weiter den ersten Schritt machen solle bezüglich Zuneigung und Gefühle zeigen. Dass der Partner sich dann ebenfalls mit der Zeit immer mehr und mehr öffnet. Er sagte, dass es kurze Zeit oder auch längere Zeit dauern kann, bis man sich komplett fallen lassen kann. Er begründete es eben damit, dass man negative Erfahrungen und Erlebnisse viel schneller aufnimmt und behält. Dass man sich eine Art Schutzmauer unterbewusst selbst aufbaut. Um diese zu „stürzen“ braucht es Zeit und die volle Geduld seines Partners. Er meinte auch, dass man sich so verhalten soll wie man es sich von seinem Partner wünscht. Denn dann kommt es eines Tages genau so, weil sich der Partner daran gewöhnt Nähe, Gefühle und Zuneigung zu spüren.

Ich mache mir Endeffekt Gedanken darüber, dass sie es nicht zu 100% will obwohl mir ihre Schwester meine Gedanken nicht bestätigen kann. Ihre Schwester sieht sie zum ersten Mal so locker, offen und glücklich. Es kann auch daran liegen, dass ich oft auch große Verlustängste verspüre. Das ist aber in vielen Bereichen der Fall. Wobei es die letzten 2-3 Jahre viel, viel besser wurde.

Eigentlich sollte ich wissen, dass sie voll und ganz hinter der Beziehung steht, wie mir auch bestätigt wurde. Sonst wäre sie diese Beziehung wohl auch nicht eingegangen, wenn von ihrer Seite aus nichts wäre. Ich habe es jetzt gerade gebraucht das hier zu teilen und benötige auch mal die Meinung von außen.

Wahrscheinlich mache ich mir einfach zu viele Gedanken, muss geduldig bleiben und einfach in Ruhe mit ihr gemeinsam wachsen.
22.09.2020, 12:57 Uhr | Tobki
Hallo bke-Lana,

vielen Dank für netten Worte direkt am Anfang.

Ich habe auch nicht vor sie zu verändern. Ich nehme sie auch gerne so wie sie ist. Nur wünsche ich mir ein wenig mehr Zuneigung, Mitgefühl und was zur weichen Seite dazu gehört. Denkst Du es wirkt sich wirklich sehr positiv aus, wenn ich ihr vorlebe, was man sich selbst wünscht?

Zum Thema „aushalten“ bezüglich der abstoßenden Worte:

Ich habe ihr auch schon das ein oder andere Mal gesagt, dass es für mich gerade in dieser Situation nicht in Ordnung war bzw. ich es unpassend finde und habe ihr auch gesagt, was ich stattdessen gerne gehört hätte. Da kommen meist zwei Aussagen. Entweder „Sorry!“ oder „Wir wollen es nicht gleich übertreiben.“. Ich habe auch einmal mehr nachgehakt, wieso sie so reagiert. Und sie meinte, dass sie sich nicht wieder verletzlich machen möchte. Im Prinzip wie im Anfangspost beschrieben. Es ist eben manchmal sehr schwierig.

Wir haben nicht explizit über Verlustängste gesprochen. Sie weiß, dass ich meinen Cousin, der für mich wie ein Bruder war, verloren habe. Dass ich innerhalb der Familie Probleme habe, die mir damals den Boden unter den Füßen weggerissen hat und für mich auch heute noch ein Thema ist. Dass meine letzte Beziehung (3,5 Jahre) von Heute auf Morgen einfach weggeschmissen wurde und ich die ersten Tage nach der Trennung auf meiner Arbeitsstelle schlafen musste, weil ich nirgends unterkommen konnte. Das waren und sind alles Faktoren für mich, wieso ich die Verlustängste aufgebaut hatte. Es bessert sich immer und immer mehr, manchmal wirft es einen zurück aber ich gehe da mittlerweile mit einem anderen Denken heran. Doch das wird mich immer begleiten.

Aber ausgenutzt hat sie es nie. Da kamen auch nie „blöde“ Bemerkungen sondern eher Verständnis und eher Stärkung des Rückens.
22.09.2020, 12:01 Uhr | bke-Lana
Guten Morgen lieber Tobki,

wie schön, dass du den Weg zu uns gefunden hast und ich möchte dich herzlich willkommen heißen bei bke! Mein Nick ist bke-Lana und ich bin eine aus dem Moderatoren-Team im Forum.

Beim Lesen deiner Zeilen habe ich ein sehr angenehmes Gefühl verspürt, wie liebevoll du dir Gedanken um eure Beziehung machst! Das ist so schöööön, auch wenn es dich zurzeit belastet. Du machst dir nicht nur selbst Gedanken, sondern beziehst dein Umfeld zur Einschätzung mit ein. Das zeigt, dass du großes Interesse an diesem Mädchen hast und du möchtest sie und ihr Verhalten dir gegenüber verstehen.

Ohne dich und deine Freundin zu kennen, wirkt es für mich so, dass deine Freundin aufgrund ihrer Vorerlebnisse eine Mauer um sich gebaut hat. Sie selber sagt das ja auch. Sie hat jemand vertraut und es wurde missbraucht. Wahrscheinlich nicht nur einmal, wenn man schon so eine hohe Mauer um sich baut.

Euere Liebe ist noch so frisch. Ihr seid noch in einer Kennenlernphase. Dafür, dass es so frisch ist, weißt du schon vieles über sie und warum sie manchmal so grob zu dir ist. Es ist ganz gut zu wissen, warum sie so ist wie sie ist. Aber ihr Verhalten zu ändern oder zu erzwingen, das ist schwierig. Sie hat aufgrund ihrer Lebenserfahrung schon gewisse Muster gelernt, die sie aus Eigenschutz anwendet und kann es nicht eben mal so ablegen. Das würde für dich bedeuten, dass du ihr Zeit geben musst, geduldig mit ihr sein. Nur so kann sie nach und nach lernen auch dir 100% zu vertrauen und sich dir zu öffnen, anders zu verhalten. Im Endeffekt möchte jeder so geliebt werden, wie man eben ist, mit Ecken und Kanten, aber auch mit weichen Seiten. Die sind ja alle da.

In der Beziehung ist es sehr wichtig miteinander zu reden. Nicht nur über schöne Gefühle, sondern auch über unschöne. Und auch das, hast du ihr bereits zurückgemeldet. Auch wenn sie es nicht so meint und es ihre Art ist, beleidigende Dinge dir zu sagen, heißt es nicht, dass du es aushalten musst und einstecken. Es macht ja was mit dir. Auf gar keinem Fall! Das musst du ihr schon so zurückmelden, dass es dich verletzt und du es nicht möchtest. Du kannst ihr sagen, was du dir stattdessen wünschen würdest.

Interessant finde ich auch deine Bemerkung, dass du selber unter Verlustängsten leidest. Es geht dir zwar schon besser als vor einigen Jahren, dennoch ist noch etwas da. Und hier frage ich mich, ob sie es irgendwie spürt oder es bereits bei euch ein Thema war und sich dieses als Notwehrwaffe zu Nutze macht? Nach dem Motto, wenn er mir weh tut, dann habe ich auch ein Mittel ihm weh zu tun… Verstehst du was ich meine?

Lieber Tobki, das erstmal zu meinen Gedanken und ich wünsche dir einen guten Austausch hier!
bke-Lana

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