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30.08.2019, 15:49 Uhr | dreamingAlex
Am Montag ist es soweit: Die Uni geht los (bzw erstmal nur die Vorkurse, aber für mich ist das auch schon Uni)

So viele neue Leute, das werden sehr anstrengende erste Tage. Da muss alles klappen, um im Studium nicht alleine dastehen zu müssen. Vielleicht hat ja jemand Tipps für mich, wie ich auf neue Leute zu gehe?
Oft ist es bei mir so, dass mir viel zu oft gesagt wurde, dass ich zu zurückhaltend bin und deswegen bin ich häufig sehr aufgedreht, wenn ich jemand neues kennenlerne. Nach 10 Minuten geht mir aber die Puste aus und ich werde noch stiller, weil ich dann eben alles gesagt hab.
Also am Anfang bin ich ein aufgedrehtes, anstrengedes Hühnchen und danach die stille, arrogante, verschlossene Kartoffel.
Ich hab scheinbar nie gelernt, wie man sich kennenlernt. Wie viel und vor allem was erzählt man am Anfang? Spreche ich Leute an oder lasse ich mich ansprechen oder warte ich auf zufällige Begegnungen?
Stelle ich mich als Alex oder als Alexandra vor? (Ich bin Alex, aber Menschen, die sich direkt mit Spitznamen vorstellen, finde ich sehr aufdringlich und zudem klingt Alex auch immer ziemlich männnlich und ich hab so schon teilweise das Gefühl, dass ich beweisen muss, dass ich weiblich bin. Naturwissenschaften und dann auch noch Kampfsport...)
Ein weiteres Problem ist, dass man ja nicht beliebig viele Leute auf einmal kennenlernen kann. In dem Vorkurs sind aber Physiker, Medizinphysiker, Ingenieure, Maschinenbauer und ich glaube noch ein paar mehr. Es wär aber natürlich praktisch, sich mit jemandem auszutauschen, der Medizinphysik studieren will.
Ich weiß, dass es kein Rezept fürs Kennenlernen und Irgendwo-Neusein gibt, aber vielleicht könnz ihr mir damit ja ein bisschen helfen...
Außerdem hab ich riesige Angst, dass ich das Studium nicht schaffe. Ich bin nicht so schlau, wie manche und vermutlich auch ich selber von mir denken. Immer wenn wir in Physik ein neues Thema angefangen haben, war ich verzweifelt. Und das heißt wohl, dass ich neue Sachen nicht gut verstehe. Ich kann vielleicht so einfache Sachen wie Schulstoff ganz gut reproduzieren, aber verstehen und mit Komplexerem umgehen, kann ich doch nicht.
Ich glaub, ich bin einfach ein bisschen arrogant und bilde mir auf meinen Abischnitt ziemlich viel ein.
Wie soll die kleine Alex an der Uni mit so vielen intelligenten Menschen bestehen?
Ich habe Angst. Große Angst.
In der Schule wäre es noch nicht mal schlimm gewesen, wenn ich eine Klausur richtig verhauen hätte. Die Lehrer haben mich auch für gut gehalten und hätten mir keine schlechte Zeugnisnote gegeben. Mit der nächsten Klausur hätte ich das aber sowieso ausgleichen können. Und sonst hätte ich mündlich vielleicht was gemacht. Ein Problem wäre das also echt nicht gewesen.
Und so richtig schlecht, war ich ja wirklich nicht.
Jetzt hab ich diesen Stand und diese (positiven) Vorurteile nicht mehr. Alle waren gut, denn niemand studiert Physik, weil ihm nichts besseres einfällt. So viele werden besser sein als ich und es geht so schnell, dass ich durchfallen und gar nicht mehr mitkommen werde.
Ich hab Angst.
Und ist Medizinphysik überhaupt was für mich? Was will ich denn damit machen??? Wenn ich das Studium schaffen sollte, stehe ich dann nicht genauso planlos da wie jetzt? Nur dass ich älter bin und mich erstmal auf eine Richtung festgelegt hab? Sich durchs Studium quälen, um direkt danach was ganz anderes zu machen, ist vielleicht auch nicht so schlau. Wo will ich hin? Sollte ich das nicht vielleicht erst wissen, um mich ein bisschen besser durch schwere Phasen kämpfen zu können?
All diese Sorgen, Zweifel und Ängst brennen in mir
Oh the wind is gently blowing as the light begins to fade. I'm sick and tired of playin' it all, I'm sick of this parade.
07.10.2019, 20:07 Uhr | dreamingAlex
Danke dir, liebe bke-Kira für deine liebe und tröstende Antwort!

Konnte ich mich in den letzten Wochen noch damit rausreden, dass ja alles noch gar nicht so richtig angefangen hat, ist das jetzt auch vorbei.
Jetzt bin ich ganz Studentin. Der Vorkurs ist vorbei, das Semester hat offiziell angefangen und heute war dann auch noch die Begrüßungsveranstaltung.
Morgen gehen dann so richtig die Vorlesungen los. In echt. Auf ernst.

Vermutlich bin ich gar nicht soo nervös; hab ja jetzt schon 5 Wochen an der Uni erlebt und so schnell Anschluss gefunden. Ich muss all diese Schritte nicht alleine gehen und dafür bin ich unendlich dankbar.
Stattdessen sind wir ein großer, bunter, aufgeregter Haufen voll Leuten, die keine Ahnung haben.
Es stresst mich, noch keine Übungsgruppe zu haben und noch überhaupt nicht zu wissen, wie die nächste Woche wird.
Ich bin so unsicher, ob ich irgendwas verstehen werde.
Morgen geht es dirket gut los: Biochemie, Mathe, Experimentalphysik.
Ich bin nervös.
DerLeistungsdruck, der mich schon in der Schule begleitet hat, ist jetzt nicht mehr lustig. In der Schule hat mich das angespornt und manchmal musste ich drüber schmunzeln (ich neige häufig dazu, in "schlimmen" Situationen zu lachen, weil das für mich nicht real ist). Aber jetzt fühle ich mich, als würde ich am Abgrund stehen und könnte jeden Moment fallen. Es ist noch nichts passiert, aber ich hab große Angst.
In zwei Wochen ist das erste Testat und spätestens dann werde ich merken, wo ich stehe, wie gut ich bin.
Ich hab Angst.

Die kleine Alex soll jetzt echt studieren?
Und warum gerade Medizinphysik? Hätte ich nicht lieber Physik nehmen sollen? Raumplanung? Lehramt? Grafikdesign? Gebärdendolmetschen? Wissenschaftsjournalismus?
Überhaupt studieren? Erstmal ein FSJ?
Was mache ich mit dieser Zeit, die mein Leben ist?
Oh the wind is gently blowing as the light begins to fade. I'm sick and tired of playin' it all, I'm sick of this parade.
05.09.2019, 17:13 Uhr | bke-Kira
Hallo dreamingAlex,

es kommt oft so anders im Leben als man sich vorstellt oder ausmalt...
Besonders freut mich aber, dass du dich nicht alleine fühlst und sogar nette Menschen bei dir hast! Was ein Glück!
Du musst dich mit dem Studium nicht alleine rumschlagen und kannst dich austauschen.
Vermutlich geht es einigen mit den Inhalten so, oder?
Zweifele nicht an dir selbst! Es könnte ja sein, dass dieses Studium nicht für dich geschaffen ist und nicht umgekehrt. Du tust dein Bestes gerade und das ist stark!
Bitte sei freundlich zu dir und hacke bitte nicht an dir rum!

Auf jeden Fall ganz viel Kraft und Mut weiterhin!

Stärkende Grüße
bke-Kira
05.09.2019, 15:29 Uhr | dreamingAlex
Die ersten vier Tage sind vorbei und es war so viel los, dass ich hier tatsächlich gar nicht geschrieben hab.

Einige Sorgen haben sich als unbegründet erwiesen: ich bin nicht alleine, sondern hab einige nette Menschen kennengelernt. Es sind (noch?) keine wahnsinnig engen Freunde und ich blicke auch nicht auf ein endloses Netz an wunderbaren Bekannten, aber ich bin doch nie alleine und darf meine Zeit mit einem sehr nettem Menschen verbringen.

Inhaltlich ist es aber schlimmer als ich es erwartet hatte: ich verstehe gar nichts!
Ich hab mich mal für ganz gut in Mathe gehalten, aber jetzt bin ich raus.
Ich weiß nicht, was ich nicht verstehe; aber ich weiß, dass mein Kopf für solche Dinge nicht geschaffen ist. Scheinbar bin ich doch zu dumm für ein Studium!
Und das ist erst der vorkurs!
Es frustriert und fällt mir sehr schwer, mit dieser völlig neuen Situation umzugehen. In der Schule ist mir fast alles zugeflogen und jetzt scheitere ich schon an den einfachsten Dingen.
Da ist es schon schwierig, nicht weinend in der Ecke sitzen zu bleiben und morgens überhaupt aus dem Bett zu kommen.
Jeden Tag sitze ich Stunden an den Übungszetteln und am nacharbeiten der Vorlesung. Im vorkurs!
Trotzdem hab ich in der Übung kaum eine Aufgabe richtig und das macht mich fertig. Ich lebe noch in einer Welt, in der falsche Lösungen eine große Katastrophe sind, und dann kann man sich vielleicht vorstellen, wie es mir gerade geht...

Ich glaube kaum, dass es sich lohnt, das Studium anzufangen.
Oh the wind is gently blowing as the light begins to fade. I'm sick and tired of playin' it all, I'm sick of this parade.
30.08.2019, 19:13 Uhr | LuPa23
Nur an ganz kleiner Zusatz zu Hana:

Solltest du dich tatsächlich irgendwann entscheiden, dass das nicht das Richtige für dich war und etwas anderes suchen oder schon gefunden haben - nein, das ist absolut nicht schlimm. Ich kenne so so so so sooo viele aus meiner Abschlussklasse, die ihr Studium abgebrochen haben. Und da ist absolut nichts dabei, das kommt häufig vor und dafür muss man sich auch nicht schämen. Manche brauchen länger und manche weniger lang um das zu finden, was sie wirklich wollen. Natürlich kommt es nicht weniger häufig vor, dass die Leute ihr Studium mit links durchziehen können oder auch, dass manche Leute es schaffen sich durchzuboxen. Ich will dir also nicht den Mut nehmen und sagen, dass es aussichtlos sei - das ist es absout nicht. Ich will dir nur sagen, dass es absolut okay und keine Schande ist, wenn man doch abbricht.
Also bleib entspannt, starte deinen Versuch mit Zuversicht und nicht mit Selbstzweifel und wenn es am Ende doch nichts ist - ist okay, findeste halt was anderes.
Aber wahrscheinlich schaffst du das sowieso, deinen Schulabschluss hast du ja - so wie ich es rausgelesen habe - auch gut geschafft *wink*
30.08.2019, 18:25 Uhr | bke-Hana
Liebe DreamingAlex,

ähnliche wie deine besorgten Fragen stellen sich mit Sicherheit grade tausende von Erstsemester*innen. Ich selbst kann mich auch noch gut an diese bewegte Zeit zu Beginn meines Studiums erinnern und finde deine Fragen sehr nachvollziehbar.

Zunächst einmal wünsche ich dir und deinem inneren aufgedrehten Hühnchen und der verschlossenen Kartoffel( *kicher*) viele Erfahrungen und Tipps von User*innen des Jugendforums, wie sie zu Beginn ihres Studiums oder ihrer Ausbildung in Kontakt zu anderen gekommen sind oder was sie dir in deiner neuen Situation empfehlen würden.

Vielleicht kann dir der oder die eine oder andere auch von eigenen Ängsten und Erfahrungen berichten oder hat eine Idee dazu.

Ich habe von Medizinphysik nullkommanull Ahnung und so kenne ich natürlich ebenso wenig die Leitungsanforderungen dieses Studienbereiches. Allerdings denke ich, dass du nicht die einzige Studentin sein wirst, die sich grade Gedanken macht, ob sie oder er nicht überfordert sein könnte und ob dieses Fach tatsächlich die richtige Wahl war.

In einem stimme ich dir zu: Niemand studiert Physik wohl einfach mal so und eine gewisse Intelligenz bzw. Stärken in gewissen Bereichen bringen die meisten wahrscheinlich mit.
Mit dem kleinen Zusatz von mir: Du auch, liebe DreamingAlex, du wirst keinesfalls das Dummerchen unter ansonsten ausschließlich besonders hochbegabten Wesen sein. Es mag sein, das manche der Neulinge besonders interessiert an der Materie sind, ein besonderes Talent in dem Gebiet mitbringen und sich leichter tun. Andere werden im Mittelfeld sein, wieder andere werden eventuell zu knabbern haben. In welche Kathegorie du gehören wirst, kannst du an dieser Stelle noch gar nicht wissen, oder?

Ich glaube eigentlich, du bist grade kein kleines bisschen arrogant sondern eher eine ängstliche kleine Alex, die sich wenig zutraut.

Diese Kleine möchte ich jetzt mal in den Arm nehmen und ihr sagen: Lass dich auf dieses Abendteuer ein und probiere es aus. Vielleicht stellst du fest, dass es genau das richtige für dich ist. Und wenn du merkst, dass du - aus welchen Gründen auch immer - keine Freude an diesem Studium hast darfst du dich umorientieren und nach etwas schauen, dass dir mehr entspricht. Aber erst einmal: Sei ruhig ein wenig arrogant und denke: Hey, schaff ich locker! Ich bin gespannt.

Viele Grüße,
bke-Hana

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