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20.05.2019, 21:12 Uhr | olgaa06
Hallo,
ich bin "neu" hier und würde gerne meine Gedanken teilen. Bezüglich dem "neu" sein - ich war vor vielen Jahren hier angemeldet - zu der Zeit ging es mir sehr schlecht aber im Laufe der Zeit hat sich vieles zum positiven gewendet und daher möchte ich hier allen alles Gute auf ihrem schwierigem Weg mitgeben. Warum ich mich wieder angemeldet habe? Weil ich in den letzten Monaten wieder angefangen habe über vieles nachzudenken und einfach meine Gedanken teilen will und wissen möchte ob es euch auch so geht.
Ich war immer ein sehr kritischer Mensch der in der Schule oft mit Lehrpersonen über vieles diskutiert habe, auf Missstände im Klassenzimmer/ Gesellschaft/ Welt aufmerksam gemacht habe. Ich war sogar stellvertretende Schulsprecherin und habe immer ein offenes Ohr für alle Schüler_innen gehabt und versucht auf Probleme einzugehen und sie zu lösen. Ich habe mich auch immer politisch engagiert und war immer der Meinung ich kann die Welt zu einem besseren Ort machen und dass jede Stimme zählt,...
Tja, jetzt bin ich hier: einige Demonstrationen später, viele Diskussionen hinter mir und im 2. Semester meines Studiums. Nach der Demo fridays for future bin ich nach Hause gekommen und hab einfach zum weinen angefangen... ich hab nicht wirklich verstanden was los ist und bin in mich gegangen um herauszufinden warum ich weine. Es gab ja eigentlich nicht wirklich einen Anlass - ich hab alles gemacht was ich für richtig halte. Ich war auf einer Demo. Das wars. Und dann fiel mir auf, dass ich eigentlich schon länger etwas beschäftigt. Seit dem ich den "geschützten Ort", die Schule verlassen habe und zum Studieren angefangen habe geht es mir nicht mehr so gut und ich hinterfrage alle Dinge, die mir eigentlich mal Spaß gemacht haben. In unserem Studiengang beschäftigen wir uns sehr viel mit Chancengleichheit und wir lesen so viele Texte, dass es eigentlich sinnlos ist versuchen zu wollen, Chancengleichheit herzustellen, denn je mehr man es versucht desto schlimmer wird es... Phu das war schwer sowas hören/lesen zu müssen - vorallem für mich , jemand der tatsächlich geglaubt hat die Welt besser machen zu können. Zurück zu der Demo - ich war einfach so traurig, weil ich all diese hoffnungsvollen jungen Menschen gesehen habe, die wirklich etwas ändern wollen. Ich bewundere diese Menschen zutiefst und habe großen Respekt davor. Vor nicht all zu langer Zeit war ich ja auch noch so ein Mensch, aber mittlerweile sehe ich keine Hoffnung mehr für unsere Gesellschaft. Ich hab innerlich gewusst, dass dieser Streik eigentlich so sinnlos ist, da sich nichts ändern wird. Und ja einige mögen jetzt sagen, ich darf nicht alles so negativ sehen, wir haben es so gut. Diese Aussage macht mich am Meisten fertig. Wie können wir nur so egoistisch sein und darüber hinwegsehen, was alles vor sich geht. Das soll jetzt nicht nur auf das Klima oder die Chancengleichheit bezogen sein, sondern das ganze Leben. z.B. warum habe ICH das Recht/ Privileg in Europa geboren zu sein, während andere genau in dem Moment verhungern/ erschossen oder gefoltert werden. Ich glaube fest daran dass wir egoistische Wesen von Natur aus sind (Thomas Hobbes - der Mensch ist dem Menschen ein Wolf) und ich versteh auch wenn Leute sich mit solchen tragischen Dingen nicht auseinandersetzen wollen, weil es einfach zu schmerzhaft ist. Aber für mich persönlich …. ich weiß nicht... es geht einfach nicht ich ertrage lieber diesen Schmerz als darüber hinwegzusehen. Ich ertrag es einfach nicht dass während ich hier sitze und das schreibe Menschen umgebracht werden und wir dann noch so dreist sind und solche Leute nicht zu uns holen/ verachtend zu ihnen sind oder einfach menschenrechtsverletzend handeln. Wer gibt uns das Recht dazu? Wir sind alle nur Menschen - aber ja, wie gesagt ich kann es den Menschen nicht mal übel nehmen. Na gut das sind meine Gedanken - ich hoffe man konnte aus dem Wirr Warr etwas entnehmen. Ich freue mich über Eure Kommentare. Liebe Grüße :)
20.05.2019, 22:49 Uhr | Julianus
Hallo Olga.
Puh, da könnte und möchte ich dir jetzt wirklich einen Roman dazu antworten. Kann ich leider nicht, weil ich sonst meine "Hausaufgaben" nicht fertig kriege. Und während ich das schreibe, ist mir bewusst, wie falsch das ist, weil es vielleicht - nein, sehr wahrscheinlich sogar - jetzt gerade viel wichtiger wäre, dir darauf zu antworten und darüber zu diskutieren. Denn die Fragen, die du dir stellst, und die Probleme, auf die du aufmerksam machst, kenne ich sehr gut und sie beschäftigen mich auch schon sehr sehr lange. Aber die alltäglichen Zwänge hindern uns, darüber intensiv nachzudenken oder das zu tun, was gut und richtig und gerade eigentlich wichtiger wäre. Mich gerade z.B. die Schule. Und das ist ja auch ein Problem bei Fridays for Future für viele: Eigentlich würden sie gerne immer dabei sein, auf der anderen Seite geht's aber auch z.B. um das Bestehen des Abiturs, die Gunst der Lehrer, das Verbot der Eltern usw. Gründe und Zwänge gibt's ja viele.

Ich finde deine Überlegungen sehr inspirierend. Danke dafür. Schade finde ich, dass der Beginn des Studiums bei dir irgendwie diese Frustration ausgelöst zu haben scheint. Vielleicht ist das aber auch normal, ich weiß es nicht. Bin leider noch nicht in dem Alter, aber finde eher das Bildungsangebot im Schulsystem sehr beschränkt und geistig einengend. Habe immer gedacht oder es auch so (durch meine Mutter) mitbekommen, dass das im Studium dann ganz anders und viel freier läuft. Dass dich die Texte von Wissenschaftlern und Philosophen frustrieren, kann ich aber auch ein Stück weit nachvollziehen. Manche alten Denker und Philosophen machen mich richtiggehend depressiv, wenn ich sie lese (oder aggressiv - Kant z.B. *wuuuaaahhhh* ). Und die Wissenschaft beschreibt ja letztlich auch nur die empirische Wirklichkeit. Sie kann doch auch nicht die Zukunft vorhersagen und will das auch nicht. Niemand hätte z.B. den Erfolg von Fridays for Future vorhersehen können noch vor einem Jahr, schon gar nicht ausgelöst durch ein minderjähriges Mädchen mit Autismus. Es ist selten, dass einzelne Individuen die Welt für alle wahrnehmbar besser machen oder verändern können, aber eben doch möglich. Wenn du den Kreis der Wahrnehmbarkeit aber etwas eingrenzt, passiert das wiederum sehr oft (im Freundeskreis, in der Uni, in der Kommunalpolitik usw.). Auch was z.B. Chancengleichheit angeht. Ein bisschen ist das also auch eine Frage des Blickwinkels, glaube ich.

Was die Probleme in diesem Staat und der Welt angeht, teile ich deine pessimistische Einstellung. Vor allem auch was den Rechtsruck angeht und als Beispiel die Abschiebung von Menschen, die vor Krieg und Elend fliehen mussten. Afghanistan = nicht sicher! Es zerreißt mir alles und ich könnte schreien vor Wut, wenn ich daran denke, dass der Staat, in dem ich lebe, für solche Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich ist - und damit irgendwie auch ich selbst. Und ich könnte ausrasten, wenn ich daran denke, wie vielen Menschen das scheißegal ist, weil sie sich darüber keine Gedanken machen wollen.

Bin auf jeden Fall gespannt auf die weiteren Beiträge hier im Thread!
Viele Grüße
Julian
Hilfe!!!!!
20.05.2019, 21:30 Uhr | bke-Claudia
Hallo Olga06,
herzlich Willkommen zurück.
Schön, dass du nach langer Zeit zurückgefunden hast.
Ich bin gespannt, was andere User zu deinem Thema denken und wünsche uns allen eine rege Diskussion.
bke-Claudia

Treffer: 3

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